Berlin : Matze, gib Gummi! Mama, die Schnellste!

Beim Halbmarathon hielt sich das Publikum mit Anfeuern warm

Katja Füchsel

Das war Spitze. Noch nie machten beim Halbmarathon so viele Sportler mit, nie waren so viele Länder vertreten. Gut, der Wind blies eisig, aber rund 100 000 Zuschauer hielten sich mit Klatschen, Rufen und Trommeln warm. Oder einem Glühwein.

Die Mitmacher. Als vor ihren Augen die ersten weißen Punkte tanzten, dachten viele bestimmt an Sauerstoffmangel. Bald war aber klar, dass es sich hier um ein Phänomen handelte, das schon Prince besang: „Sometimes it snows in April.“ 17 692 Läufer, Skater, Rollstuhlfahrer, Power-Walker, Bambini und Fun-Runner (vier Kilometer rund ums Rote Rathaus) waren unterwegs. Der April hielt für sie einige Überraschungen bereit, an eben diesem Roten Rathaus beispielsweise. Da kämpften die Läufer gegen den Wind an, alles bewegte sich in Zeitlupe. Bis das Feld in die Jüdenstraße einbog – da machten plötzlich alle einen Satz. Der Wind peitschte nun frontal von hinten.

Die Zuschauer. So dick eingepackte Kinder wie am Gendarmenmarkt kennt man eigentlich nur aus dem Skiurlaub. In Schneeanzügen stehen sie da wie kleine Michelin-Männchen, in klobigen Winterstiefeln, Handschuhen und Mützen. Mit einer Trillerpfeife warten sie auf Papa. Drei Meter weiter fotografiert eine Frau, wie ihr Sohn um die Ecke biegt. Ein kurzes Abklatschen. Papa ist immer noch nicht in Sicht.

Die Mutmacher. Trillerpfeifen und Rasseln gehören zur Standardausstattung des Anfeuerers. Zu den Klassikern unter den Rufen zählen: Heyja, heyja! – Weiter, weiter! – Bravo, bravo! Auf der Werderstraße johlt ein Mann: „Matze, gib Gummi!“ Ein Mädchen hat sich ein T-Shirt bemalt: „Mama, Du bist die Schnellste!“ Derweil begleitet ein Mann seinen Sohn auf dem Fahrrad, knipst alle 100 Meter ein Foto und verdingt sich zwischendrin offenbar als Stadtführer: „Errichtet vor zwei Jahren…“, ruft er – und ist schon vorbei.

Das Ziel. Es dürfte das erste Straßenfest des Jahres gewesen sein, am Alex, mit Bierständen, Bratwurst und Glühwein. Die Angekommenen lassen sich die Muskeln massieren, eingehüllt in weiße Plastikdecken. Nur auf die heiße Dusche müssen die Sportler noch etwas warten. „Starke Windböen ließen die Duschzelte in die Luft gehen“, entschuldigt sich der Veranstalter.

Die Überraschten. Sie müssen Radio, Fernsehen und Zeitungen hartnäckig gemieden haben: 135 Autos musste die Polizei umsetzen, 75 letztes Mal. Wer in die Innenstadt hinein oder aus ihr heraus wollte, musste gut planen: Nur am Tunnel unterm Adenauerplatz konnte die Strecke gequert werden. Das wussten offenbar die wenigsten. „Die tun alle so, als wenn der Marathon aus heiterem Himmel über die Stadt gekommen wäre“, knurrt ein Polizist. Das allerdings war auch schon letztes Jahr so.

UND 20

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