Berlin : Mauer im Kopf

Lothar Heinke

plädiert für Zeitzeugenberichte statt toter Steine Heute vor 44 Jahren gefror uns das Blut in den Adern: Die DDR wurde vollends zum Arbeiter- und Mauern-Staat, ihre Hauptstadt erst mit Stacheldraht und dann mit Beton umgürtet, Hinterlandmauern, Postenwege, spanische Reiter, Wachtürme kamen dazu, Häuser wurden abgerissen, Menschen erschossen, Verkehrsadern durchtrennt, Familien geteilt wie Friedhöfe, Flüsse und Kleingärten. Der Aufwand, die Grenze undurchdringlich zu machen, war ungeheuer und dauerte praktisch 28 Jahre, bis zum plötzlichen Ende des Monstrums am 9. November 1989.

An diesem Tag begann die neue Zeitrechnung für Berlin. „Die Mauer muss weg!“ – gerufen, getan. Schnell. Zu gründlich? Heute möchten die Touristen die Attraktion sehen, knipsen, begreifen. Nur wenig ist geblieben, an der Bernauer- und in der Niederkirchnerstraße. Ein Glück. Bemalte Mauerteilstücke oder schlechte Kopien können nichts von der Brutalität jenes Betonwalls zeigen, der vor allem in unseren Erlebnissen und in der Erinnerung lebt: Fragt uns! Wir Berliner erzählen euch, was diese Mauer in und um uns angerichtet hat. Fragt!

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