Mauerabriss : Berliner CDU stoppt Zeller

Im Streit um den Abriss eines Mauerteilstücks am Nordbahnhof hat sich die Parteispitze eingeschaltet. Der Bezirk Mitte soll die Baupläne für die Sportanlage nun noch einmal prüfen.

Berlin (11.07.2005, 16:12 Uhr) - Die Berliner CDU stoppt im Streit um den Abriss eines Mauerteilstücks ihren stellvertretenden Vorsitzenden und Bezirksbürgermeister von Mitte, Joachim Zeller. Der CDU-Vorstand sprach sich dafür aus, die so genannte Hinterlandmauer am Nordbahnhof nicht abzureißen, teilte die CDU am Montag mit. Ferner setzte der Vorstand eine Arbeitsgruppe ein, die bis Anfang September ein eigenes Konzept für ein Gesamtkonzept zur deutschen Teilung erarbeiten soll.

Das Bezirksamt Mitte hatte vor wenigen Tagen beschlossen, große Teile der noch vorhandenen originalen Hinterlandmauer auf dem Gelände des Nordbahnhofs zu Gunsten eines geplanten Sportplatzes abzureißen. Dieser Plan war sowohl bei Kultursenator Thomas Flierl (PDS) als auch bei Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) auf Ablehnung gestoßen. Beide forderten den Bezirk auf, den Beschluss rückgängig zu machen.

Der CDU-Landesvorstand kritisierte jetzt ebenfalls die Entscheidung. Der Bezirk solle prüfe, ob sich der Bau einer Sportanlage auch ohne Beseitigung des Mauerteilstücks realisieren lasse. «Die zweite deutsche Diktatur und ihre Folgen für die Menschen müssen sichtbar werden», betonte CDU-Generalsekretär Frank Henkel. Zugleich warf Henkel dem PDS-Kultursenator vor, die Verantwortung der SED für Mauer und Schießbefehl «auf eine Blockkonfrontation zurückverlagern» zu wollen.

Zeller vertritt bislang die Meinung, der Bauplan für den Sportplatz lasse sich nicht mehr stoppen. Dem Land Land Berlin würden ansonsten wegen Vertragsbruch Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe entstehen.

Der Arbeitsgruppe für ein Gedenkstättenkonzept sollen auch der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen, die Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Monika Grütters, der kulturpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Günter Nooke, und Henkel angehören. (tso)

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