Mauerfall in Berlin : Vor 25 Jahren wurde das Brandenburger Tor geöffnet

Am 22. Dezember 1989 wurde das Brandenburger Tor als Grenzübergang geöffnet. Zigtausende aus Ost und West wollten dabei sein.  Und Walter Momper wusste zunächst nicht, wie er seine Rede beenden sollte.

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Das Gedränge war groß bei der Öffnung des Brandenburger Tores.
Das Gedränge war groß bei der Öffnung des Brandenburger Tores.Foto: picture alliance / dpa

Berlin, nun freue dich!“ Dieser Satz, der berühmteste, stand nicht im Manuskript. Die Öffnung des Brandenburger Tores stand an, ein Ereignis von historischer Symbolik. Berlin, Deutschland, die Welt fieberte dem entgegen, und die Redenschreiber hatten Walter Momper, dem Regierenden Bürgermeister, selbstverständlich schon die passenden Worte vorbereitet. Aber er und auch sie fühlten: Die Rede hatte „kein vernünftiges Ende“, wie er heute sagt, da fehlte noch irgendwas – ein gelungener Schlusssatz, ein zündendes Bonmot, etwas in der Richtung. Noch während die Veranstaltung schon lief am Nachmittag des 22. Dezember 1989, grübelte Momper darüber nach, und plötzlich hatte er’s: „Berlin, nun freue dich!“

Momper erinnerte sich an ein Zitat aus einem Buch

Eigentlich ein Zitat, wie er bekennt, aus dem Buch „Am grünen Strand der Spree“ von Hans Scholz, das er 20, vielleicht 30 Jahre zuvor gelesen hatte. Und auch dort wiederum ein Zitat, aus einem darin abgedruckten Gedicht, mit dem drei Jahrhunderte zuvor der Sieg des Großen Kurfürsten über die Schweden bei Fehrbellin gefeiert worden war. Scholz’ Buch war 1955 erschienen, also noch Jahre, bevor er Feuilletonchef beim Tagesspiegel wurde. Ein fünf Jahre später von ihm veröffentlichtes Buch trug den alten, leicht variierten Vers sogar im Titel: „Berlin, jetzt freue dich!“ Aber nein, Momper ist sich sicher, ihn schon im ersten Buch gelesen zu haben.

"Lichtgrenze" zum Gedenken an den Mauerfall
Lichtgrenze am Brandenburger Tor.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: Kulturprojekte Berlin
10.07.2014 13:03Die Mauer verlief direkt am Brandenburger Tor. Daran sollen die leuchtenden Ballons der Lichtgrenze erinnern.

Eine legendentaugliche Genese, die an die von Kennedys „Ich bin ein Berliner“ erinnert, was ebenfalls nicht im Manuskript stand und erst kurz vorher vom Präsidenten eingefügt wurde. Es war eben ein großer Tag, der Freitag vor 25 Jahren, da liegen solche Gedankenblitze in der Luft. Die übrigens sehr unpathetisch von hoher Feuchtigkeit durchtränkt war: Die Toröffnung war zunächst einmal ein Fest der aufgeklappten Regenschirme.

Kohl und Modrow hatten die Öffnung vereinbart

Sie war erst am 19. Dezember zwischen Bundeskanzler Helmut Kohl und DDR-Ministerpräsident Hans Modrow bei einem Treffen in Dresden vereinbart worden, vorerst gültig für Fußgänger. Freie Durchfahrt für Autos hatte der Ost-Berliner Magistrat schon Wochen vorher abgelehnt: Das Tor sei museal, sie könnten den Bau beschädigen. Aber diese Einschränkung war für die TV-Teams mit ihrem Wagenpark ohnehin zweitrangig, die sich auf der Westseite in fröhlichem Chaos niedergelassen hatten und nur mühsam auf eine Tribüne umgesiedelt werden konnten. Alle wollten die besten Plätze, die Briten – „unser Sektor“ – drohten mit dem Stadtkommandanten, die Amerikaner mit Schadensersatzklagen, die Deutschen pochten auf ihr vermeintliches Hausrecht – Momper hat das sehr hübsch in seinem Buch „,Berlin, nun freue dich!’ – Mein Herbst 1989“ (Verlag Das Neue Berlin) beschrieben. Schließlich entschied das Los.

Bei der Toröffnung am 22. Dezember 1989 waren DDR-Ministerpräsident Hans Modrow (klatschend), Walter Momper, Helmut Kohl, Walter Scheel und Hans-Dietrich Genscher (jeweils rechts daneben) zugegen.
Bei der Toröffnung am 22. Dezember 1989 waren DDR-Ministerpräsident Hans Modrow (klatschend), Walter Momper, Helmut Kohl, Walter...Foto: picture alliance / dpa

Der 22. Dezember also. Nur drei Tage Zeit. Mit einem maschinengetippten Informationsblatt kündigte das Grenzkommando Mitte der DDR-Grenztruppen an, „im Zeitraum vom 21.12.1989, 22.00 Uhr, bis 22.12.1989, 13.00 Uhr, die baulichen Voraussetzungen zur Durchführung des grenzüberschreitenden Verkehrs schaffen“ zu wollen. Es wurden sogar einige Medienvertreter dazugebeten, die dabei sein durften, als Kranwagen zu beiden Seiten des Tores Segmente aus der Mauer hoben, südlich für die Einreise nach Ost-Berlin, nördlich für die Ausreise. Exakt um 0.39 Uhr entschwebte das erste Betonteil nach oben, gab den Blick frei zwischen Ost und West, so berichtete der Ost-Berliner „Morgen“, ließ auch einen im Angesicht des Schadowschen Figurenschmucks am Tor sichtlich ergriffenen Offizier der Grenztruppen zu Wort kommen: „Möge ihr Geist alle beschützen, die sich nun an diesem Wahrzeichen der Vernunft und des Friedens treffen.“

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