Berlin : Mauergedenken: Neues Konzept erst im Herbst

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Die verschiedenen Erinnerungsorte der Berliner Mauer sollen bis zum Herbst in einem Gedenkstättenkonzept zusammengefasst werden. Das kündigte Rainer Klemke, Gedenkstättenleiter in der Kulturverwaltung, an. Das Konzept soll vor allem Handlungsempfehlungen enthalten. Für seine Realisierung veranschlagt Klemke einen Zeitraum von zehn Jahren.

Gestern informierte sich eine Arbeitsgruppe von Denkmalschutz und Kunstexperten – sie besichtigte Gedenkorte und Relikte der Mauer. Die grüne Bundestagsabgeordnete Franziska Eichstädt-Bohlig vertrat die Parlamentariergruppe, die am Brandenburger Tor eine neue Gedenkstätte errichten möchte. Geplant sei, am unterirdischen Durchgang zur S-Bahnstation Unter den Linden eine Fotodokumentation einzurichten, sagte Eichstädt-Bohlig. Dieses relativ zurückhaltende Konzept würde nicht in Konkurrenz zu anderen Gedenkorten stehen, sondern sie lediglich ergänzen, hieß es.

Für das „Parlament der Bäume“ des Künstlers Ben Wargin machte sich besonders Denkmalpflegerin Gabi Dolff-Bonekämper stark. Der Ort sei so skurril wie vielschichtig und verdiene schon wegen der Zähigkeit des Künstlers, der ihn schon lange gegen die Bauinteressen des Bundes verteidigt, öffentliche Anerkennung. Den original erhaltenen Wachturm am Kieler Eck, ebenfalls eine Privatinitiative, stuften die Experten überwiegend positiv ein. Auch das zentrale Mauer-Mahnmal in der Bernauer Straße, wegen seiner abstrakten Kühle umstritten, wurde nicht grundsätzlich infrage gestellt. Mit der Neugestaltung des Nordbahnhofs – dort sollen bisher verdeckte Reste der Hinterlandmauer sichtbar gemacht werden – erhalte die Bernauer Straße als Hauptort des Erinnerns eine neue Chance. Ein starker Wermutstropfen ist allerdings der geplante Bau eines Wohnhauses zwischen Versöhnungskapelle und Mauergedenkstätte.

Am Checkpoint Charlie sagte Kultursenator Thomas Flierl, das „imaginierte Gräberfeld“ passe schlecht an einen Platz, „wo mal die Panzer gestanden haben. Hier muss eher an die Konfrontation der Weltmächte erinnert werden“.loy

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