Mauergedenkstätte : 45 Tonnen Geschichte

Die Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße erhält einen historischen Wachturm. Was mit dem Turm passierte, der bis 1990 ein Militärgelände in Spreenhagen überblickte, weiß man nur teilweise.

Lars von Törne
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Turmbau. Die Bernauer Straße bekommt ein Stück mehr Grenzanlage. -Foto: ddp

Sie haben ihn im Internet gefunden. Im vorigen Jahr bekam Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer und Leiter der Gedenkstätte an der Bernauer Straße, einen Hinweis, dass da bei Ebay etwas zum Verkauf steht, das ihn interessieren könnte. Am gestrigen Donnerstagmorgen nun begann ein Schwerlastkran damit, das aus mehreren Teilen bestehende Fundstück an der Gedenkstätte abzuladen, heute Nachmittag soll der Turm komplett stehen.

„BT 9“ heißt der 45 Tonnen schwere Grenzwachturm offiziell, seinesgleichen standen bis 1989 hundertfach auf dem Todesstreifen rund um West-Berlin und entlang der innerdeutschen Grenze. Allein entlang der Bernauer Straße gab es fünf Türme zwischen Nordbahnhof und Mauerpark, sagt Klausmeier. Passend zum 20. Jahrestag des Mauerfalls, der an der Gedenkstätte am 9. November mit einem ganztägigen Programm gefeiert wird, vervollständigt der Neuzugang jetzt das Ensemble neben der Ackerstraße. Wobei der historische Turm in Wirklichkeit nie ein Grenzwachturm war. Sondern ein Kasernenwachturm, der mit seinen 11 Metern 40 ein Militärgelände in Spreenhagen überblickte, südöstlich von Berlin.

Für seinen neuen Standort wurde der Turm ein wenig beschnitten. Die Betonfertigteile und die mit Metall verkleidete Kanzel wurden auf rund neun Meter verkürzt, da auch der Original-Turm an dieser Stelle etwas kürzer war als der Normal-„BT 9“, erklärt Klausmeier. Was mit dem Turm passierte, der bis 1990 hier stand, weiß man nur teilweise: Einige Elemente des alten „BT 9“ wurden im Alliiertenmuseum an der Clayallee mit anderen Turmteilen zusammengesetzt und führen dort Besuchern vor Augen, wie die DDR-Grenzer den Todesstreifen im Blick behielten. Das kann man an der Bernauer Straße nur von außen erahnen: Begehbar ist der Turm nicht, er steht unzugänglich zwischen den von Metallwänden eingefassten Mauerteilen, die das Denkmal für die Opfer des Mauerbaus und der Teilung darstellen.

Mehr im Internet: www.berliner-mauer-gedenkstaette.de

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