Mauergedenkstätte : Stelen aus Stahl markieren den Todesstreifen

Die Gedenkstätte Bernauer Straße am Nordbahnhof wird in den kommenden Jahren umgestaltet. Berliner Architekten gewinnen den Wettbewerb zum neuen Erinnerungskonzept.

Werner van Bebber
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Zukunftsmusik: Geplante Gedenkstätte Berliner Mauer. -

Die neue Mauer soll aus Stahlstelen bestehen – und leicht passierbar werden. Rostender Stahl, sogenannter Cor-Ten- Stahl, wird zum wichtigsten Gestaltungselement der Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße. Elemente aus diesem Material werden zu Markierungen in dem großen Gelände in der Nähe des Nordbahnhofs, auf dem zu Teilungszeiten die Mauer stand. Sogar der Informationspavillon an der Gartenstraße soll mit Stahl verkleidet werden. Auch ein „Fenster der Erinnerung“, das mit persönlichen Fotos an die Opfer der Mauer erinnern soll, wird mit dem Material gestaltet. Das Gelände soll bis zum 50. Jahrestag des Mauerbaus vom 13. August 1961 fertiggestellt sein.

Das ist das am Donnerstag vorgestellte, wichtigste Ergebnis des Wettbewerbs zur Erweiterung der Mauergedenkstätte. Den ersten Preis gewann eine Arbeitsgemeinschaft. Sie besteht aus dem Architekturbüro Mola Winkelmüller, den Landschaftsplanern Sinai, Faust, Roll, Schwarz und dem Ausstellungsmacher Christian Fuchs.

Der bis zu einer geringen Tiefe rostende Stahl als gestalterisches Element erinnert an das schon bestehende Mauermahnmal an der Bernauer Straße. Vor allem der Fachmann für die Mauergedenkstätte in der Kulturverwaltung, Rainer Klemke, lobte die Wahl des Materials: Es mache deutlich, wo es auf dem Gelände um das Gedenken gehe. Offenbar sind nämlich Missverständnisse über Bauart und Erscheinung der Mauer längst nicht mehr ausgeschlossen. Klemke wies im Scherz darauf hin, dass mancher Besucher der Gedenkstätte – angeregt von dem Mauermahnmal aus Stahlplatten – meine, auch die Grenzmauer der DDR habe aus Stahl bestanden.

45.000 Quadratmeter sollen nun neu gestaltet werden. Im Informationspavillon können sich Besucher einen ersten Überblick verschaffen, einen Film sehen und, wenn sie wollen, einen „Guide“ für das Gelände treffen. Sie können auch an den stählernen Markierungen entlang das Gelände erkunden. Sie können an der Mauer aus Stahlstelen entlanggehen. Die Stehlen sollen an den rostenden Armierungsstahl in der Betonmauer erinnern. Sie sollen nur in der räumlichen Flucht betrachtet wie eine geschlossen Mauer wirken. Das bestehende Dokumentationszentrum an der Bernauer Straße soll später vor allem der „Vertiefung“ und dem Studium der Teilungsgeschichte dienen. Für die Markierungen auf der Freifläche, auf der Rasen wachsen soll, sind zehn Millionen Euro geplant. Der neue Pavillon, dessen Anlage an den Knick im Mauerverlauf an der Ackerstraße erinnert, soll zwei Millionen Euro kosten. Pfarrer Manfred Fischer vom Verein Berliner Mauer lobte den Entwurf als „Gewinn für die Gedenkstätte“. Dort rechnet man 2007 mit 265.000 Besuchern.

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