Berlin : Mauern für Moskau

Junge Berliner Handwerker restaurieren das Frauenkloster am Roten Platz

Helmut Caspar

Tagsüber Stuck im Moskauer Frauenkloster modellieren, nachmittags in der russischen Hauptstadt Museen besuchen, abends dort um die Häuser ziehen – wenn der 21-jährige Stuckateur Sven Bundels an seinen Moskau-Einsatz im vergangenen Jahr denkt, bekommt er glänzende Augen. „Das Johannesfrauenkloster ist eine tolle Baustelle mit Blick zum Roten Platz, ein Hektar Fläche, edelste Architektur, doch ziemlich restaurierungsbedürftig“, schwärmte der Köpenicker gestern. Im Rahmen der Berlin-Moskauer Städtepartnerschaft hatte er mit vier Kollegen bei der Sanierung des aus dem 16. Jahrhundert stammenden Klosters geholfen. „Ich war bei einer russischen Familie untergebracht“, erzählt Bundels. „Verständigungsprobleme gab es kaum, weil meine Gastgeber Deutsch sprachen. Außerdem war ein junger Moskauer Kollege unser Dolmetscher.“ Die fünf Berliner haben viel von Land und Leuten gesehen, bis nach St. Petersburg reichten ihre Exkursionen. „Nur in den Kreml sind wir nicht gekommen, da waren die Eintrittspreise zu hoch. Unser Taschengeld war nicht gerade üppig.“

Getragen wird die seit drei Jahren laufende Hilfsaktion vom Bildungsverein Bautechnik, der auch die gemauerte Ecke der Bauakademie nicht weit vom Berliner Schlossplatz hochziehen ließ. „Angehende Maurer, Tischler, Zimmerleute, Stuckateure und Vertreter anderer Berufe sind erfolgreich auf der deutsch-russischen Lehrbaustelle im Herzen von Moskau tätig. In dem uralten Frauenkloster haben sie viele Erfahrungen gesammelt, die sie zu Hause gut gebrauchen können“, berichtet Rainer Eder, Präsident des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg und Chef des Vereins. Die Arbeiten in Moskau seien aber noch lange nicht beendet, man sei für jede Unterstützung dankbar.

Gestern konnte Eder einen Scheck über 20 000 Euro aus den Händen des Berliner Stadtmöblierers Hans Wall entgegennehmen. „Was die jungen Berliner in der russischen Hauptstadt leisten, ist ein Zugewinn für den weltweiten Jugend- und Kulturaustausch“, sagte der Chef der Wall AG und kündigte an, die Restaurierungsarbeiten weiter fördern zu wollen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit lobte das Engagement als vorbildlich gelebte und praktizierte Städtepartnerschaft.

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