Mauerpark in Berlin : Grillen oder chillen

Der Mauerpark liegt nun in zwei Bezirken. Das könnte Folgen für die Besucher haben.

Alexander Haneke

Vormittags um halb zehn war das rote Band endlich zerschnitten, 24 Jahre nach dem Mauerfall gibt es nun einen Durchgang vom Weddinger Brunnenviertel in den Mauerpark. Aus der Lortzinger Straße läuft man nun durch das ehemalige Grenzgebiet zur Nordseite der Max-Schmeling-Halle. Rechts und links des Weges kommen noch etwa zwei Hektar ehemalige Gewerbefläche zum Mauerpark hinzu. Vor allem die Weddinger profitieren von dem neuen Weg: „Früher sind wir ja immer in den Humboldthain gefahren“, erzählt Ralf Harbsmeier, 51, aus dem Brunnenviertel. „Aber im Mauerpark gefällt mir die Stimmung einfach besser – hier ist alles voller junger Leute.“ Das Objekt der Freude selbst ist bisher allerdings noch reichlich provisorisch. Eine schmucklose Bahn aus grobem Asphalt, daneben Schotter und Erde. Wiesen gibt es hier noch keine, immerhin aber einige Bäume und Büsche. Vorerst sollen hier vor allem die Anwohner Platz finden. Einige „Bürgerbäume“ stehen schon, bald sollen die Nachbarn Platz zum Gärtnern bekommen. Das Gelände gehört dem Bezirk nämlich bisher nur unter Vorbehalt. Die frühere Eigentümerin, die CA Immo, hat die Flächen südlich des Gleimtunnels im vergangenen Herbst zurück an den Bezirk übertragen – allerdings unter der Bedingung, dass sie für das Grundstück nördlich des Gleimtunnels Baurecht erhält. Das kann jedoch noch zwei Jahre dauern. „Das Planungsverfahren ist eingeleitet und wir hoffen, dass der Bebauungsplan bis Ende 2014 steht“, sagt Bezirksstadtrat Carsten Spallek (CDU), der in Mitte für Stadtentwicklungsfragen zuständig ist. Dann fallen auch die anderen Flächen an den Bezirk – bis runter zur Eberswalder Straße. Drei weitere Hektar sollen hier Parkfläche werden und mit den Betreibern von Flohmarkt und dem Café Mauersegler wird über ein Erbbaurecht verhandelt. Für viele Grillfreunde ist dagegen interessant, wer für den Park in Zukunft zuständig sein wird. Der alte Mauerpark liegt im Bezirk Pankow, der neue im Ortsteil Wedding, Bezirk Mitte – und dort ist Bezirksstadtrat Carsten Spallek (CDU) nicht als Grillfreund bekannt: „Wir werden uns natürlich über gemeinsame Regeln einigen, die Menschen sehen ja die Grenze nicht. Und einer vernünftigen Lösung stehe ich nicht im Wege.“ Für möglich hält er etwa feste Grillplätze oder Grillzonen. Für August sind erst mal Dreiergespräche zwischen Pankow, Mitte und dem Land Berlin geplant – möglich ist dann auch, dass die landeseigene Grün Berlin den Betrieb des ganzen Parks übernimmt, die etwa auch das Tempelhofer Feld bewirtschaftet. Auf Pankower Seite ist Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner für alle Vorschläge offen. Nur ein Grillverbot hält der Grünen-Politiker in jedem Fall für falsch: „Die Leute grillen ja sowieso. Im Tiergarten lässt sich das vielleicht verbieten, aber bei uns sind die Leute anders.“ Das sehen auch die meisten Parkbesucher so. „Der Park ist wirklich nicht schön. Aber er ist halt wahnsinnig entspannt. Und deshalb kommen doch alle hierher,“ sagt Student Raphael Haupt, der hier regelmäßig mit Freunden grillt. Für Bezirksstadtrat Kirchner ist die Erweiterung vor allem eine Chance: „Jetzt können wir endlich neue Sachen angehen“, sagt er. „Schlimmer als das Grillen ist doch, dass hier tausende Menschen zum Feiern kommen und noch nicht mal Toiletten da sind.“ Alexander Haneke

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