Berlin : Maul- und Klauenseuche: Der Zoll sammelt Wurststullen ein

Ingo Bach

Flugreisende aus Großbritannien werden ab sofort vom Zoll genauer unter die Lupe genommen. Die Kontrolleure an den Berliner Flughäfen fragen dann nicht nur nach Zigaretten oder Alkohol, sondern auch nach Milch, Wurst und Fleisch. Die Maul- und Klauenseuche, die derzeit im Vereinigten Königreich grassiert, ist der Grund dafür, dass die Senatsgesundheitsverwaltung die Einfuhr von gefährlichen Lebensmitteln aus Großbritannien unterbinden will. "Diese Produkte können die Erreger der Maul- und Klauenseuche nach Berlin einschleppen", sagt Klaus-Peter Florian, Pressesprecher der Senatsverwaltung.

Die Liste der betroffenen Lebensmittel ist lang: alle Fleisch- und Wurstwaren, Milch (außer H-Milch) und Milchprodukte, wie Joghurt, Käse und Quark, die nach dem 1. Februar erzeugt wurden. Darüber hinaus gelten auch unverarbeitete Häute und Felle von Schweinen, Schafen und Ziegen als mögliche Träger der Krankheitserreger. "Es geht tatsächlich darum, dass die Leute ihre Wurststullen abliefern", sagt Wolfgang Kerl, Grenzveterinär am Flughafen Tegel.

Die Grenzbeamten setzen dabei vor allem auf die freiwillige Einsicht der Reisenden. Darüber hinaus werden Zollbeamte stichprobenartige Kontrollen durchführen. Die Abgabepflicht gilt auch für die Fluggesellschaften, die die Reste der Bordverpflegung von diesen Flügen abliefern müssen.

Gestern abend wurden in den Sicherheitsbereichen der Flughäfen Tonnen aufgestellt, in denen die Reisenden die in Großbritannien gekauften Lebensmittel werfen sollen. Anschließend werden die gesammelten Produkte verbrannt. "Eine Entschädigung dafür gibt es nicht", stellt Axel Werner, Pressesprecher der für den Berliner und Brandenburger Zoll zuständigen Oberfinanzdirektion in Potsdam klar.

Plakate in den Flughäfen sollen die Reisenden über die Aktion informieren. "Das ist keine Schikane, sondern notwendig, um zu verhindern, dass in Berlin die Seuche auch ausbricht", sagt der Sprecher der Gesundheitsverwaltung. Die Krankheit sei eine echte Gefahr für die etwa 400 Schweine und 260 Schafe in der Stadt.

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Für die beiden Grenzveterinäre, die für die Flughäfen Tegel und Tempelhof zuständig sind, bedeuten diese Kontrollen einen Haufen Mehrarbeit. Täglich landen acht Flugzeuge aus Großbritannien auf dem Flughafen Tegel, mit ihnen durchschnittlich etwa 600 Reisende. Deshalb erhalten die Grenzveterinäre Amtshilfe vom Zoll. Für Schönefeld gelten die gleichen Regelungen, hier sind jedoch die Brandenburger Behörden zuständig.

Auch die Veterinärämter in den Berliner Bezirken klagen über zusätzliche Arbeit, denn die Senatsgesundheitsverwaltung hat sie aufgefordert, auf Lebensmittel aus Großbritannien zu achten. Es gibt in der Stadt eine ganze Reihe von Spezialläden, die Produkte aus Großbritannien anbieten. Ihnen gilt derzeit die besondere Aufmerksamkeit der Lebensmittelämter. "Hier prüfen wir sehr genau", sagt Jürgen Bach, Bezirksveterinär von Friedrichshain-Kreuzberg. Bisher seien aber noch keine entsprechenden Produkte entdeckt worden. Wenn man bei Kontrollgängen darauf stoße, müssten die Mitarbeiter diese Waren sicherstellen. "Und dann überlegen wir gemeinsam mit der Senatsgesundheitsverwaltung, was wir damit machen."

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