Berlin : Maulkorb für den Theologen

Kardinal Sterzinsky hat dem Priester Michael Bongardt Redeverbot erteilt. Der tritt auf und schweigt

Claudia Keller

Ein Vortrag war angekündigt am Mittwochabend im Künstlerhaus der Katholischen Akademie. 30 Besucher waren gekommen, um Michael Bongardt zu hören, den Mann, der an der FU Katholische Theologie lehrt. Sein Thema hieß: „Die Pforten der Hölle. Versuchungen des Banalen“. Doch Bongardt saß da und schwieg. Kardinal Georg Sterzinsky hat ihm Redeverbot erteilt. Seit drei Wochen darf Bongardt in den katholischen Einrichtungen in Berlin den Mund nicht mehr aufmachen. Die Akademie-Besucher am Mittwochabend waren so empört, dass sie einen Protestbrief schrieben.

Vergangenen Juli entzog der Kardinal dem FU-Professor die kirchliche Lehrerlaubnis und hat die Freie Universität aufgefordert, Bongardt aus dem Institut für Katholische Theologie zu entfernen. Denn Bongardt will nicht länger Priester sein, er will das Zölibat nicht mehr halten. Da die Priesterweihe aber fürs ganze Leben gilt, bricht Bongardt mit der Entscheidung, das Priesteramt niederzulegen, ein zentrales Versprechen. Wie der Streit zwischen der FU und Kardinal Sterzinsky ausgeht, ist noch offen. Das Redeverbot allerdings ist neu. Ende Januar hatte Kardinal Joachim Meisner Bongardt verboten, einen Vortrag in der Katholischen Akademie Köln zu halten, Sterzinsky folgte dem Beispiel.

Die Besucher der Veranstaltung am Mittwoch wollen sich das nicht bieten lassen. „Ich betrete die Katholische Akademie nie mehr, wenn das Redeverbot hingenommen wird“, sagte Zuhörerin Christa Berry. Ein jüngerer Mann schlug vor, in die Kneipe nebenan zu gehen. Dort könne Bongardt seinen Vortrag halten. Bernward Konermann, Leiter des Künstlerhauses, wollte lieber auf „die Macht des ungesprochenen Wortes“ vertrauen. Er ist der Meinung: „Das Problem der Glaubwürdigkeit der Kirche in dieser Stadt ist kein finanzielles.“ Zehn Gäste schrieben schließlich einen Protestbrief an den Kardinal. „Wir empfinden das Redeverbot als bevormundende Ungeheuerlichkeit. Ein selbstverständliches Grundrecht wird Christen vorenthalten“, heißt es.

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