Berlin : Maus und Menschen

Das 2002 eröffnete ARD-Hauptstadtstudio feierte gestern Jubiläum Jährlich kommen bis zu 60 000 Besucher ins Infocenter an der Wilhelmstraße

Als die Maus aus der Sendung mit der Maus erschien, leibhaftig durch die Menge der Besucher wandelte, waren nicht nur die Kinder begeistert. Die Maus in Menschengröße ließ sich knuddeln, knutschen und kraulen, aber ihr Innenleben verriet sie nicht. Sie musste eben ihre Geheimnisse wahren – in der „Redaktionshalle“ des Hauptstadtstudios an der Wilhelmstraße. Das ARD-Infocenter feierte am Sonnabend sein fünfjähriges Bestehen mit einem achtstündigen Bühnenprogramm, und die große Maus war so beliebt, dass sie gleich dreimal auftrat.

60 000 Besucher kommen jährlich nach Auskunft von Eva Woyte vom ARD-Hauptstadtstudio ins Infocenter, viele Touristen, aber auch viel Berliner Stammkundschaft, die hier nach aktuellen Informationen, nach Karten für Veranstaltungen fragt oder sich für Führungen anmeldet. Gestern gab es für rund 2000 Gäste keine Führungen, dafür aber Live-Einblicke in beliebte Sendungen. Marc Langebeck informierte über das Büchermagazin „quergelesen“, Klas Bömecke vom Wissenschaftsmagazin „Kopfball“ zeigte Experimente mit Luftballons und Kerzen und beruhigte die Besucher, dass ein Aufzug gar nicht abstürzen könne, weil er zigmal gesichert sei. Die Fernsehserie „Lindenstraße“ war zwar nicht mit der von vielen erhofften „Mutter Beimer“ präsent, aber mit den Schauspielern Cosima Viola („Jack“) und Toni Snetberger, der in der Serie den Italiener „Enzo“ spielt, aber in Wirklichkeit ungarische Wurzeln hat. Raiko Thal von der Abendschau interviewte auch Tagesschau-Sprecher Jan Hofer, es gab Informationen zu Sportsendungen, zu Krimi-Tatorten, zu Rundfunkgebühren und zum Politmagazin „Kontraste“. Zwischendurch berichteten auch die Mitarbeiter des Infocenters von den vielen Fragen, die täglich so gestellt werden, etwa auch bei Führungen: Warum beispielsweise das Studio für den Bericht aus Berlin, das im Fernsehen so groß erscheine, in Wirklichkeit so klein sei. Oder wie lange die Anfahrt nach Adlershof zur Anne-Will–Sendung dauere.

Alle 10 bis 20 Minuten ein neuer Programmpunkt: Das Publikum hatte die freie Wahl, viele Besucher blieben über Stunden, wie der Pankower Klaus Siemers, der sich als „Fernsehfan“ bezeichnete und sich vorm ARD-Logo fotografieren ließ. Die Reinickendorferin Elisabeth Wienicke war enttäuscht, sie hatte auf Führungen durch das Haus gehofft (die gab es beim Tag der offenen Tür im Sommer). Auch wollte sie sich mit diskutieren über die „Abendschau“, die ihrer Ansicht „die beliebteste Sendung aller meiner Bekannten ist, aber inzwischen zu viele Nachrichten aus Brandenburg bringt. Wir sind doch die Hauptstadt.“

Aber um große Publikumsdiskussionen ging es am Sonnabend nicht. Da stellten sich nur Sendungen vor, wie etwa auch die Hörfunk-Expertenrunde des RBB. Und immer wieder – zum Anfassen – die Sendung mit der Maus. C. v. L.

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