Max-von-Laue-Schule : Eine Schule muss umziehen

Wegen Pannen am Bau wird in Lichterfelde der Unterricht komplett ausgelagert.

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Es hat alles nichts geholfen: Die Lichterfelder Max-von-Laue-Sekundarschule muss Ende Januar mit Beginn der Winterferien ihr schönes Stammhaus in der Dürerstraße räumen und für ein halbes Jahr anderswo unterkommen. Was von Lehrern, Schülern und Eltern inzwischen als beispielloses Ärgernis empfunden wird, ist für den Bezirk immerhin Anlass, das öffentliche Baurecht infrage zu stellen.

Es geht um ein schier endloses Bauvorhaben, denn der vorübergehende Auszug der Schule muss zu einem Zeitpunkt stattfinden, zu dem das gesamte Vorhaben längst abgeschlossen sein sollte. Die beliebte Schule sollte einfach nur wachsen, um statt drei künftig vier Parallelklassen aufnehmen zu können. Dafür sollte ab 2010 im Hof ein Neubau mit einer Mensa und neuen Räumen entstehen und das Dach ausgebaut werden. Knapp vier Millionen Euro wurden veranschlagt.

Nicht für alle Verzögerungen gibt es Schuldige. Das gilt für den Schwamm, der in den Dachbalken gefunden wurde, und für die Schützengräben, die man auf dem Sportplatz entdeckte. Andere Verzögerungen seien vermeidbar gewesen, glauben Eltern und Lehrer. Sie verweisen insbesondere auf das „Kompetenzwirrwarr“ zwischen Bau- und Schulamt. Das Bauprojekt sei „nachlässig und unprofessionell“ gemanagt worden, formuliert Gesamtelternvertreter Dierk Hoffmann in einer dreiseitigen Lagebeschreibung, die dem Tagesspiegel vorliegt. Lange habe sich „niemand für die Misere verantwortlich gefühlt“. Immerhin lobt Hoffmann, dass sich mit dem neuen Bezirksamt, das Ende 2011 gewählt wurde, vieles zum Positiven entwickelt habe: Der „unfähigen“ Firma sei nach langem Zögern gekündigt worden, die neue arbeite mit Hochdruck.

Allerdings reicht das nicht. Die neue Firma und das Bezirksamt glaubten zunächst, den Schulbetrieb parallel zu den Bauarbeiten weiterlaufen lassen zu können. Doch das Bezirksamt entschied vor Weihnachten, dass der Unterricht in das knapp vier Kilometer entfernte Gebäude der ehemaligen SchmidtOtt-Schule ausgelagert werden muss, damit die Bauarbeiten beschleunigt werden können. Die Neuntklässler, die schon im Sommer in die benachbarte PaulBraune-Schule ausweichen mussten, sollen nun nochmals das Quartier wechseln, bevor sie im Idealfall zum Sommer wieder zurück in die Dürerstraße können.

Elternvertreter Hoffmann macht sich aber nicht nur Gedanken um die Einhaltung des Unterrichtspensums für die 400 Schüler. Er fürchtet auch, dass der Bezirk keine Schlüsse aus den Erfahrungen ziehen könnte. Hoffmann fordert eine Liste von Firmen, die sich bei schulischen Bauvorhaben als unzuverlässig erwiesen haben, damit sie bei Ausschreibungen nicht mehr zum Zuge kommen.

Cerstin Richter-Kotowski, Bildungsstadträtin für Steglitz-Zehlendorf (CDU), sucht ebenfalls nach neuen Wegen. Die Juristin will bei den Musterverträgen ansetzen. Sie bemängelt, dass es der öffentlichen Hand viel zu schwer gemacht werde, Bauunternehmen wegen Stillstands auf der Baustelle zu kündigen.

Eine Zeitlang hat die Christdemokratin gehofft, dass man der Schule helfen kann, wenn man es macht wie bei der Avus: Da hatte das Land eine frühzeitige Fertigstellung erreicht, indem es ein Erfolgshonorar in Aussicht stellte. Das aber funktioniere nur, wenn man es mit einem einzigen Unternehmen zu tun habe. „Im Idealfall ist die Auslagerung nach den Sommerferien erledigt“, stellt die Stadträtin in Aussicht. Schulleiter Günther Schrenk warnt vor weiteren Verzögerungen: „Lehrer, Eltern und Schüler sind mit ihrer Geduld am Ende“.

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