Berlin : Meckern nach Schnauze

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Zu Ernst Reuters Zeiten sollten die Völker der Welt nur auf Berlin schauen, nun kommen alle gleich vorbei. Und weil sie nicht wissen, dass man sich wappnen muss für diese Hauptstadt, gibt es nun ein Buch mit dem warnenden Titel: Achtung, freilaufende Berliner. Na, da gucken wir doch gern mal rein. Und sind schnell enttäuscht und, schlimmer noch, gelangweilt. Denn Autor Walter Lendl bemüht alle Klischees, die den Bewohnern der Stadt anhaften. Berlin, so stellt er gleich am Anfang klar, sei „die Lower East Side der Europäischen Union“ und lebe von Subventionen. Der Berliner „ist ungehobelt und legt wenig Wert auf sein Äußeres.“ Er speist nicht gehoben und gesittet, „er schiebt sich zwischen die Kiemen, was der Zufall so bietet“. Er meckert, drängelt und ist faul. Puh, möchte man den Autor fragen, geht’s auch ein bisschen differenzierter? Sind ja auch nicht alle schön auf der „Casting Alley“ (Kastanienallee). Und: Wo bleibt der Humor? Wenn ein Fremder den Eingeborenen fragt: „Wissen Sie, wie spät es ist?“, antwortet der vielleicht: „Ja, das weiß ich“. Lendl irritiert so etwas. Tja. Damit ist alles gesagt. Hella Kaiser

Walter Lendl: Achtung, freilaufende Berliner! Alles, was Sie wissen müssen, wenn Sie sich in die Hauptstadt wagen. Heyne Taschenbuch, 2010, 272 Seiten, 7, 95 Euro

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