Mediaspree : Häuser-Kampf am Osthafen

Bezirksbürgermeister Franz Schulz will in einem Gespräche-Marathon die Probleme der Mediaspree jetzt Grundstück für Grundstück diskutieren.

Matthias Oloew
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Bezirksbürgermeister Franz Schulz. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Nach der Entscheidung des Senats, die Planung der Mediaspree nicht an sich zu ziehen, ist er wieder am Ball. Franz Schulz (Grüne), Bürgermeister in Friedrichshain-Kreuzberg diskutiert nun mit dem eigens eingerichteten Sonderausschuss die Schwierigkeiten Grundstück für Grundstück: „Wir müssen an jedem Beispiel sehen, was im einzelnen möglich ist.“ Gleichzeitig erwartet er aber, dass nun alles komplizierter wird: „Der Senat will jeden Schritt, den wir machen, observieren und kommentieren.“ Das könne die ohnehin aufwendigen Abstimmungen nur noch weiter verzögern.

Während Senatorin Ingeborg Junge- Reyer (SPD) im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses angekündigt hatte, sie werde „dem Bezirk nicht den Gefallen tun und die Verfahren an sich ziehen“, hat sie dennoch einen Mediaspree-Verantwortlichen gekürt, der für sie darüber wachen soll, dass Veränderungen am Planungsrecht nicht gegen den Willen der Eigentümer passieren. Schulz reagiert bei einem Ortstermin am Flussufer verschnupft – und das liegt nicht am scharfen Wind, der ihm um die Nase pfeift. Er habe den Senat nicht gebeten, einzugreifen, sagt er, besser wäre es, der Bezirk würde alles alleine machen. „Das hat bisher gut geklappt.“

Und nicht nur hier ist er bei seinem Bürgermeister-Ego gepackt. „Vor der Bezirksfusion haben sich beide Seiten getrennt voneinander entwickelt“, erklärt Schulz, „die bisherige Uferplanung musste überwunden und durch eine die Teilbezirke verbindende Quartiersplanung ersetzt werden.“ Diese Aufgabe in die Hand des Senats zu geben, sei ihm nie eingefallen. Deshalb arbeitet er nun mit der ihm eigenen Gelassenheit die Problemfälle ab.

Seit dem Votum im Juli wird debattiert. Schulz weiß: „Der rasenmäherhafte Ansatz – 50 Meter Ufer müssen frei bleiben – bringt uns nicht weiter.“ Die Strategie – Konsens statt Konflikt – scheint auch hier zu funktionieren. So haben die Mitglieder der Initiative „Mediaspree versenken“, die nun in dem Sonderausschuss mitdiskutieren, erkannt, dass es am Osthafen nur wenige Veränderungsmöglichkeiten gibt. Die Behala als Grundstückseigentümer hatte sich für die geplanten oder im Bau befindlichen Blöcke vor Jahren verbindlich das Baurecht gesichert. Ausnahme: das geplante 90-Meter-Hochhaus an der Elsenbrücke.

Doch auch hier deutet sich Entspannung an. „Die Behala hat die Bauvoranfrage zurückgezogen“, sagt Schulz. Vor zwei Wochen hatte sie diesen Antrag gestellt – unterstützt von Senatorin Junge- Reyer und einer Mehrheit im Stadtentwicklungsausschuss – um sich das Baurecht zu sichern. Ein harter Konflikt kündigte sich an, der nun erstmal entschärft ist. Aber es muss nicht heißen, dass damit ein Hochhaus ausgeschlossen ist.

Schulz jedenfalls plädiert für ein Entweder-oder: „Es macht keinen Sinn, ein verknirpstes Hochhaus an dieser Stelle zu bauen.“ Entweder es bleibe bei den 90 Metern, die städtebaulich mit dem gegenüberliegenden Treptower ein großes Portal bilden könnten, oder die Neubauten passen sich an: „Dann wäre bei 24 Metern Traufhöhe Schluss.“ Was letztlich passiert – Stichwort Konsens statt Konflikt – werden die Gespräche ergeben.

Die haben aber nichts bewirkt bei einem anderen Turmprojekt eineinhalb Kilometer flussabwärts, zwischen Mühlenstraße und Spree. Dort habe Ludwig-Maximilian Stoffel, der zusammen mit Giovanna Stefanel die Immobiliengruppe Stofanel gründete, eine Baugenehmigung für ein 60-Meter-Hochhaus, zehn Meter vom Ufer entfernt. „Der Turm ist auch bei uns ungeliebt“, sagt Schulz, „er unterbricht die Parkflächen an der East-Side- Gallery.“ Doch das Baurecht habe seinerzeit das Bezirksamt Friedrichshain erlassen, das mit Rückendeckung durch den Senat neben dem Turm weitere Stadtvillen am Ufer vorsah. „Die anderen Pläne habe ich wegdiskutieren können“, sagt Schulz, „die Grundstücke gekauft und dem Park zugeschlagen.“ Aber der Turm werde gebaut. Und zwar schon bald.

Zurück am Osthafen: auch hier gibt es Erklärungsbedarf, der aus seiner Sicht verdeutlicht, dass die Kontrolle durch den Senat nicht von Vorteil ist. Im Bau sind zwei markante Blöcke, das Mode- Schauhaus „Labels 2“ und ein Hotel der Nippon-Gruppe. Während Schulz den „Labels“-Bau als zu aufdringlich kritisiert, verteidigt er den von ihm genehmigten Hotel-Bau mit einem um 90 Grad gedrehten Dachgeschoss aus Glas. „Das Hotel fällt ausnahmsweise aus dem Rahmen, weil wir glaubten, uns das einmal am Osthafen leisten zu können“, erklärt Schulz. Dieses Alleinstellungsmerkmal mache ihm „Labels 2“ nun streitig. Den Grund sieht Schulz in einem Architektenwettbewerb, den Senatsbaudirektorin Regula Lüscher durchdrückte. „Typisch“, so Schulz, „in Wettbewerben will sich jeder Architekt ein Denkmal setzen.“ Die städtebauliche Idee stehe dann zurück.

Auch wenn in diesem Fall die Entscheidung gefallen ist: Schulz wird weiter diskutieren. Er hat einen langen Atem.

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