Mediaspree : Labels 2: Eine erfolgreiche Masche

Am Dienstag wird am Osthafen das Modezentrum „Labels 2“ eröffnet – ein wichtiger Baustein für das Mediaspree-Konzept.

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Passt. Mit dem markanten Gebäude von Labels 2 (r. oben) wurde von Investor Stefan Sihler am Osthafen eine weitere Lücke entlang...

Klaus Wowereit will kommen. Und 800 andere prominente Gäste auch. Die Eröffnung von „Labels2“ im Entwicklungsgebiet Mediaspree wird am Dienstag zu einem Defilee von Managern und Modemachern von über 30 etablierten Marken wie Hugo Boss, S. Oliver, Esprit sowie von Streetwear-Brands wie Scotch & Soda. Zu feiern gibt es viel: nicht nur Schau- und Verkaufsräume auf nun 7000 Quadratmetern, sondern auch den bevorstehenden Beginn der Fashion Week und der Bread & Butter.

„Im Labels1 werden Waren im Wert von 55 Millionen Euro im Jahr geordert, mit dem zweiten Haus werden es wohl über 100 Millionen“, sagt Stefan Sihler, dessen Idee, Modehäuser und -einkäufer auf fremden Terrain zusammenzubringen, ein Erfolg wurde. Noch weiter wachsen könnten die Bestellungen und Umsätze, die Chefeinkäufer von KaDeWe, Lafayette und zahlreichen anderen Kauf- und Modehäusern auslösen, wenn Labels Nummer drei und vier auf den Nachbargrundstücken kommen. Der frühere Anwalt Sihler arbeitet daran.

Begonnen hatte alles mit einem Handschlag unter Männern: Sihler vereinbarte mit Hugo Boss, dass der Konzern seinen weltweit größten Showroom mit 2500 Quadratmetern in einer 1913 erbauten Lagerhalle auf einer städtischen Brache einrichtet. Denn nur ein Teil der Neubauten, die heute die Mediaspree prägen, waren damals schon gebaut. Dennoch sagten die Boss-Manager zu Sihler: „Dieses Haus oder keins!“ Und so wurde das alte Hafengebäude saniert und es entstand Labels 1, das bald voll vermietet war – die Marke Boss zog. Das war im Jahr 2006, lange vor dem Hype um Berlins Mode. Und auch bevor das Gebiet städtebaulich umkämpft wurde. Mit zwei voll vermieteten Label-Häusern am Osthafen, mit den vielen Nähmanufakturen in Prenzlauer Berg und mit der Fashion Week sowie der Bread & Butter am Flughafen Tempelhof entwickelt sich Berlin immer mehr zur Modehauptstadt Deutschlands.

„Ein solcher Erfolg war am Anfang nicht zu erwarten“, sagt Franz Schulz, der bündnisgrüne Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, und lobt auch die Architektur der Labels-Gebäude. Für die Entwicklung des Gebietes Mediaspree sei dies „ein wichtiger Baustein“. Zumal auch die Mediaspree-Projekte von der Wirtschaftskrise betroffen sind. So manches Grundstück wird wegen der Kreditklemme nicht bebaut. Die Fläche der japanischen Firma Urnova, nahe dem Energieforum, zum Beispiel. Und der Baukonzern Hochtief dementiert, dass die Bürohäuser neben dem fast fertigen Nippon-Hotel nun rasch gebaut werden: „Dafür brauchen wir einen Nutzer. Es gibt zwar Verhandlungen, aber noch ist kein Mietvertrag unterschrieben“, sagt Sprecherin Gabriele Stegers.

Keine Spur von Krise dagegen am Ostbahnhof. An der Schillingbrücke sind die Bagger angerollt, um Altbauten abzureißen und die Baugrube auszuheben. Rund 28 Millionen Euro investiert der Projektentwickler Jürgen Kilian hier. Der Mieter steht fest: Der Konzern „Gold Inn“ wird Betreiber eines Hotels mit vier Sternen, das den bestehenden Häusern in der Nachbarschaft – Ibis- und Intercity-Hotel – Konkurrenz machen wird. „Die bestehenden Hotels sind zu 90 Prozent ausgelastet“, sagt Kilian. Das sei bereits vor der Eröffnung der O2-Arena so gewesen. Und sobald der neue Flughafen Berlin Brandenburg International in Betrieb gehe, werde das Quartier von zusätzlichen Gästen profitieren, weil eine Regionalbahn vom Airport am Ostbahnhof halte. Das Gold Inn soll wie der BBI-Flughafen im Jahr 2011 öffnen.

Kilian ist von dem Standort so überzeugt, dass er nun auch ein Angebot für das Nachbargrundstück abgeben will. Das gehört der Gasag und wird vom landeseigenen Liegenschaftsfonds ausgeschrieben. Dessen Chef Holger Lippmann sagt: „Es gibt Interessenten, aber durch die Verringerung der Baufläche und den größeren Abstand zum Spreeufer ist die Bebaubarkeit eingeschränkt.“ Auch hier schlossen die Grundstückseigentümer Kompromisse, um dem Bürgerentscheid Rechnung zu tragen. In der Branche wird ein Preis von rund fünf Millionen Euro für das etwa 8500 Quadratmeter große Baufeld gehandelt. Entstehen sollen dort Gewerbeflächen an der zur Schillingbrücke orientierten Flanke sowie Wohnungen in den weniger lärmenden Bereichen. „Die Nachfrage nach Standorten für Wohnungsbauten ist trotz Krise gut“, sagt Lippmann.

Für Bürgermeister Schulz ist das ein Beispiel für die Erfolge des Bürgerentscheids, das breitere Ufer an der Spree und weniger Baufläche gefordert hatte. Das sieht man bei der Initiative jedoch anders: „Wir sind mit den Ergebnissen unzufrieden. Der Bezirk hat viel zu wenig riskiert“, sagt Carsten Jost. Deshalb würden sich die Bürgervertreter aus dem Sonderausschuss zurückziehen, der eigentlich gegründet worden war, um die Interessen der Bürger und der Initiative in die Planungen einfließen zu lassen. Als Aus für die Initiative begreift Jost das aber nicht: „Der Sonderausschuss ist tot, es lebe der Bürgerentscheid!“

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