Mediaspree : Schicki-Micki-Ärger im Zigarren-Paradies

Viel Rauch um nichts oder droht jetzt der nächste Mediaspree-Ärger? Deutschlands größter Verkaufshumidor für Zigarren ruft die " Mediaspree Versenken“-Aktivisten auf den Plan. Die befürchten, dass in der alten Hafenkantine an der Stralauer Allee in Berlin-Friedrichshain ein Schicki-Micki-Zentrum entsteht. Humidor-Betreiber Maximilian Herzog hofft dagegen auf Toleranz.

Michael Klug[ddp]
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Verkaufshumidor-Betreiber Maximilian Herzog inmitten seiner erlesenen Auswahl kubanischer Zigarren. -Foto: ddp

BerlinMaximilian Herzogs Erfolgsrezept lautet: sinnliche Verknüpfung von Produkt und Käufer. So lässt er seine Kundschaft, meist Männer mittleren Alters, in tiefen Sesseln bei einem Mojito über Alltägliches sinnieren, während er gleich nebenan in einem 70 Quadratmeter großen Zedernholzkasten die Zigarren gelagert hat. Wohltemperiert bei 18 Grad Celsius und von einer Luftfeuchte um die 70 Prozent umgeben, warten dort hinter einer Glasscheibe Tausende kubanische Zigarren auf Genießer. Das im Mai eröffnete Unternehmen befindet sich am Friedrichshainer Spreeufer - dort, wo unter dem Namen Mediaspree künftig ein exklusives Stadtquartier mit mehreren Hochhäusern und Unternehmensansiedlungen entstehen soll.

Genießen in gediegener Umgebung

"Unsere Kundschaft ist eindeutig genussorientiert und erholt sich hier besser als bei einem Wellnesswochenende", sagt der Schweizer Herzog über seinen Zigarrenladen in der alten Hafenkantine an der Stralauer Allee in Berlin-Friedrichshain. Attraktiv für Zigarrengenießer ist der Ort, weil sich hinter den Mauern des 100 Jahre alten Hauses, gleich neben Universal Music, der nach Herzogs Angaben deutschlandweit größte Verkaufshumidor verbirgt.

"Der begehbare Humidor wurde gebaut, um sämtliche Chargen und Zigarren jeden Alters aus Kuba einlagern zu können", erläutert Herzog. Damit bietet er nach eigenen Worten eine unvergleichbare Auswahl an Habanos-Zigarren. Hinzu kommt das Interieur: "Der Kunde kauft bei uns nicht nur einfach Zigarren, er bekommt vor allem das angemessene Ambiente geboten." Genießen in gediegener Umgebung ist sein Motto.

Schicki-Micki-Volk statt junge Kreative

Und genau das missfällt etwa Carsten Joost von der Initiative "Mediaspree versenken". Er hält Herzogs Humidor für völlig falsch in der Gegend: "Außer ein paar reichen Berlinern, der kubanischen Wirtschaft und Fidel Castro braucht hier niemand so einen Laden", moniert Joost.

Anstatt junge Kreative an das Spreeufer zu holen, würde mit Herzogs Unternehmen lediglich eine Schicki-Micki-Szene an der Spree etabliert. "Ursprünglich sollten hier einmal 30.000 Arbeitsplätze für junge Kreative im Medienbereich entstehen. Da kann man wohl Herzogs Konsumtempel für Superreiche nicht dazu zählen." Und er fügt hinzu: "Noch ein paar Ansiedlungen vom Kaliber Herzog und die Gegend wird unbezahlbar."

Exklusive Importlizenz vom kubanischen Staat

An andere Stelle in Berlin hat sich das Konzept des gebürtigen Schweizers Herzog bereits bewährt. Während einer beruflichen Sinnkrise entschloss sich der promovierte Psychologe Mitte der 90er Jahre ein Geschäft für kubanische Zigarren im beschaulich-wohlhabenden Wilmersdorf zu eröffnen.

Mit einer exklusiven Importlizenz vom kubanischen Staat ausgestattet, war die Unternehmensgründung am Ludwigskirchplatz im Jahr 1996 ein Erfolg. "Hochwertige Zigarren gab es damals außer im KaDeWe noch nirgendwo in Berlin. Und im Kaufhaus konnte man schon damals nicht rauchen", berichtet der heute 58-Jährige.

Humidor-Betreiber hofft auf Toleranz

Diesen Erfolg will Herzog nun am Spreeufer wiederholen. Doch mit Zigarren im Wert von zehn Millionen Euro im Lager und den Edelkarossen seiner Kunden vor der Tür liefert Herzog das ideale Feindbild für die Mediaspree-Gegner. Er setzt dennoch auf ein Miteinander. "Hier wird doch niemandem etwas weggenommen. Wir nutzen die alten Gebäude und das Areal ist für jedermann frei zugänglich", sagt er.

Diese Offenheit will Herzog sogar aufrecht erhalten, wenn im kommenden Jahr der Humidor im Außenbereich um eine Terrasse erweitert wird und die betuchte Kundschaft über einen eigenen Bootsanleger zum Zigarrenlager gelangt. Herzog hofft: "Mit gegenseitiger Toleranz und einem freundlichen Umgang könnten beide Seiten zufrieden leben."

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