Medienetage : Volle Kontrolle über den Rechner

In der Medienetage Altglienicke sollen Kinder lernen, mit den Tücken des Internets umzugehen.

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Surfen und spielen mit Begleitung. Im Computertreff in Altglienicke lernen Kinder und Jugendliche den verantwortungsvollen Umgang mit dem Rechner und dem Internet. Mitarbeiter Robert Alisch und seine Kollegen behalten den Überblick – auch per Kontroll-Software.Foto: Georg Moritz Foto: Georg Moritz
Surfen und spielen mit Begleitung. Im Computertreff in Altglienicke lernen Kinder und Jugendliche den verantwortungsvollen Umgang...Foto: Georg Moritz

Lautes Gelächter dröhnt durch den Flur. Auf dem Bildschirm ist zu sehen, wie sich Betrunkene zum Deppen machen: Ein Mann versucht, auf einem Fahrrad mit nur einem Reifen zu fahren, und kippt um. Ein anderer stolpert über die eigenen Füße. Die Jungs im zweiten Stock des Bürgerhauses Altglienicke lachen sich über das Youtube-Video kaputt. Sie haben auf der Medienetage ihren Spaß.

Sabine Ehrich muss gar nicht im Zimmer sein, um zu wissen, was zwei Türen weiter im Netz passiert. Im kleinen Administrationsraum kann sie auf dem Monitor verfolgen, was die etwa zehn Kinder und Jugendlichen am Computer treiben. „Cybera Server“ heißt die Kontroll-Software, die der Pädagogin alles verrät, was auf der Medienetage passiert. Die Einrichtung im Bezirk Treptow-Köpenick ist eines der zwölf Medienkompetenzzentren der Stadt; Träger ist die WeTeK Berlin GmbH (Werkstatt neue Technologien und Kultur). Hier sollen Kinder und Jugendliche von acht Jahren an im Umgang mit dem Computer und dem Internet geschult und begleitet werden – mit Vertrauen, aber auch Kontrolle. In der Medienetage können sie sich zum Surfen, Chatten und Spielen treffen, für die Schule recherchieren und den Computerführerschein machen.

„Bei uns gelten klare Regeln“, sagt Ehrich, die seit fast zehn Jahren in der Einrichtung arbeitet. Jeder, der ins Netz will, muss sich persönlich in eine Liste eintragen, nach einer Stunde Surfen und Spielen ist Schluss: Bildschirm- und Konsolenpause. Am Monitor im Administrationsraum klebt ein Stück Klebeband, darauf steht „Sean/Kimberly ist 13. Kein Jappie!“ Die Kommunikationsplattform Jappie ist bei den Jugendlichen in der Medienetage sehr beliebt – aber erst für Kinder ab 14. „Natürlich sind die alle bei Jappie und gehen dann eben zu Hause rein“, sagt Ehrichs Kollege Robert Alisch. „Aber hier bei uns ist das für unter 14-Jährige tabu.“ Das schreckt die Kinder aber nicht vom Besuch in der Medienetage ab: Obwohl fast alle von ihnen einen eigenen PC mit Internetanschluss zu Hause haben, kommen sie zum Surfen und Spielen in den Jugendtreff. „Wir diskutieren Fragen und Probleme mit ihnen, an uns können sie sich auch reiben“, sagt Ehrich. Wie viel von mir soll ich preisgeben? Welche Daten darf ich wo veröffentlichen? Was ist erlaubt, was ist illegal? Solche Fragen besprechen die Pädagogen mit den Jugendlichen. Im Gegensatz dazu wüssten viele Eltern gar nicht so genau, was ihre Kinder im Netz machen.

Auch Ronny und Andre haben beide einen Computer im Zimmer, auch sie schauen zu Hause gerne lustige Videos auf Youtube. Heute aber sind sie tief versunken in das Spiel „Dark Orbit“. „Wir spielen miteinander, nicht gegeneinander“, sagt der zwölfjährige Andre, und es macht ihm nichts aus, zuzugeben, dass Ronny, ebenfalls zwölf, besser ist als er. Am nächsten Donnerstag beginnt der nächste Kurs für den Computerführerschein „Compass“, Ronny und Andre wollen beide mitmachen. Wenn sie den Compass haben, bekommen sie ein monatliches Zeitkontingent, sie dürfen sich dann selbst einloggen und sich ihre Zeit frei einteilen. „Das ist die Belohnung für den Kurs“, sagt Ehrich. Aber auch dann gelten klare Regeln: Zwei Stunden pro Tag sind die Grenze. Und wer welche Seiten besucht, wird sowieso registriert.

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