Medizin : Labore von Charité und Vivantes fusionieren

Trotz interner Kritik befürwortet der Charité-Aufsichtsrat die Fusion der Labormedizin von Charité und des landeseigenen Klinikbetriebs Vivantes.

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Ein entsprechendes Votum gab das Gremium mehrheitlich am Montag ab, teilte die Senatsverwaltung für Wissenschaft mit. Das Zusammenlegen der Labore sei „wirtschaftlich und wissenschaftlich eine große Chance für die Charité“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl Max Einhäupl dem Tagesspiegel. Es könne „das größte Labor, das in Europa von einer universitären Einrichtung betrieben wird“, entstehen.

Der Aufsichtsrat, dem Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) vorsitzt, setzte sich über ein Votum des Fakultätsrats der Charité hinweg. Unter den Mitgliedern des Fakultätsrats hatte es bei einer Abstimmung über das Projekt in der vergangenen Woche statt der erforderlichen Mehrheit nur ein Patt gegeben. Zöllner forderte die Fakultät auf, „unter der Wahrung der Wissenschaftsbelange die wirtschaftlichen Belange der Charité insgesamt angemessen zu berücksichtigen“. Der Charité-Vorstand solle jetzt die nächsten Schritte zur Gründung des neuen Unternehmens in die Wege leiten.

Für die neue Laborgesellschaft soll bis 2012 ein Neubau auf dem Campus des Virchow-Klinikums in Wedding gebaut werden, der elf Millionen Euro kosten soll. Die Charité könne aber durch die Fusion bis zu 7 Millionen Euro jährlich einsparen, sagte Einhäupl. Für die von einem Millionendefizit geplagte Charité sei das ein großer Vorteil.

20 Millionen Proben, beispielsweise von Bluttests, sollen pro Jahr von den Medizinern ausgewertet werden. Für die Wissenschaftler der Charité bedeute das einen großen Fortschritt, ihnen hätte bisher nur die Hälfte an Proben für ihre Forschung zur Verfügung gestanden, sagte Einhäupl. Auch könne die Charité sehr viel besser mit Medizintechnikfirmen zusammenarbeiten. Durch die große Anzahl an Proben könnten Firmen neue Geräte und Nachweismethoden für Krankheiten schneller testen als anderswo in Europa. Langfristig wolle die Charité ein neues Geschäftsfeld aufbauen und als Dienstleister im Laborbereich für Kliniken und Firmen auftreten. Die Charité verspricht sich so zusätzliche Einnahmen in Höhe von fünf Millionen Euro im Jahr.

Im Fakultätsrat war kritisiert worden, dass die Labormedizin der beiden Klinikbetriebe in eine GmbH umgewandelt werden soll. Befürchtungen, die Charité könne das neue Laborunternehmen an einen Investor verkaufen, trat Einhäupl jetzt entgegen. „Dass ich gegen einen Verkauf von Wissenschaftseinrichtungen bin, predige ich seit Jahren.“

Der Berliner Senat fordert seit langem eine engere Kooperation zwischen Charité und Vivantes. Derzeit prüft der Senat, wie die Unimedizin und der Krankenhausbetrieb am Benjamin-Franklin-Klinikum zusammenarbeiten können. Eine Entscheidung soll im April fallen. In anderen Bereichen stockt die Zusammenarbeit von Charité und Vivantes allerdings. Ein gemeinsames klinisches Forschungszentrum sollte Anfang 2009 seine Arbeit aufnehmen. Geschehen ist das bisher nicht. Tilmann Warnecke

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