Berlin : Meet and Greet: Dieter Hapel liebt Leder

Guido Egli

"Bisschen sehr plüschig", findet Dieter Hapel das mächtige rote Sofa in Gerhard Hoffmanns Büro in der Fuggerstraße. Hapel mag es lieber etwas moderner, "so mit Stahl und Leder". Davon sollte es an diesem Abend reichlich zu sehen geben. Dieter Hapel ist Bürgermeister von Tempelhof-Schöneberg und Christdemokrat. Gerhard Hoffmann ist Mitgründer des lesbisch-schwulen Stadtfests und schwuler Lobbyist. Am Freitagabend trafen sich diese beiden mit anderen Politikern und Schwulenvertretern zu einem "kommunalpolitischen Rundgang" durch den schwulen Kiez an der Motzstraße. Und verstanden sich prächtig.

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Tempelhof-Schöneberg: Mit der Fusion müssen zwei Bezirke zusammenwachsen, die sich nicht unbedingt mögen. Das wesentlich größere und von der CDU dominierte Tempelhof hat seinen Bürgermeister Dieter Hapel in die Vernunftehe mit dem kleineren und zuletzt von den Grünen regierten Schöneberg eingebracht. Nun muss sich der neue Hirte auch den bunteren Schäfchen in seiner Herde zuwenden. Er tut das, wie er sagt, "ohne Berührungsängste. Ich bin Bürgermeister einer Großstadt mit 340 000 Einwohnern und habe die Verpflichtung, mich um die Belange aller zu kümmern". Die Initiative zum Quartiersspaziergang ging von Hapels Parteikollegen und CDU-Fraktionschef Carsten Buchholz aus, der auch seinen Freund, ebenfalls einen Christdemokraten, mitgebracht hatte.

Bei der Diskussion in der Schwulenberatungsstelle "Mann-o-Meter" in der Motzstraße kommt gleich ein heikles Thema auf den Tisch: Die Regenbogenflagge am Schöneberger Rathaus zum Christopher-Street-Day. Unter der grünen Bürgermeisterin Elisabeth Ziemer schöne Regelmäßigkeit, befürchten die Organisatoren seit dem Machtwechsel ein Ende dieses Brauchs. Doch Hapel zeigt Flagge: "Ich sehe überhaupt keine Veranlassung, davon abzurücken."

Nach der Politik die Sinnenfreude: Im lauten, vollen, rosarot bemalten Schwulenlokal "Lukiluki" wartet schon das Dreigang-Menü. Die anabolikagestärkten Oben-ohne-Kellner Heiko und Jörg servieren der Tafelrunde ein üppiges Mahl. Zum Einstieg ein Feldsalat mit Flusskrebsen an Himbeermarinade, gefolgt von Perlhuhnbrüstchen auf Spinat, und als süßen Abschluss die Dessertvariation "Lulu" mit Erdbeer-Tiramisu. Als Überraschung gibt der hauseigene Transvestit Amanda mit blonder Perücke eine recht erbärmliche Playback-Nummer zum Besten. Dieter Hapel weiß kaum, wo hingucken. Nach rechts? Da tanzt Amanda. Geradeaus? Da stehn die Journalisten und gucken, wo er hinguckt. Nach links? Da ist die Wand, das fällt auf. Auf den Tisch? Ja, das ist gut.

Es geht gegen Mitternacht, und die Gruppe ist im "Prinzknecht" angekommen. Aus den Lautsprechern säuselt eine Stimme "Gib mir noch eine Nacht, nur wir zu zweit, ich warte schon, ich bin bereit." Wohl zur eigenen Überraschung trifft der Bürgermeister auf dem Weg zum Klo einen Bekannten. Schon wieder ein Christdemokrat, einer aus dem Abgeordnetenhaus. Doch der möchte nicht namentlich erwähnt werden. Beinah fühlt sich Hapel unter seinesgleichen. Und sichtlich wohl: "Das ist ein Klasseladen hier. Da komme ich mal mit meiner Frau her."

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