Berlin : Mehdorn will Standort Zoo ausbauen

Auch ohne Fernzüge soll die Station wichtig bleiben Bahn überlässt Hochhauspläne anderem Investor

Klaus Kurpjuweit

Der Bahnhof Zoo, in dem vom heutigen Sonntag an keine Fernzüge der Bahn AG mehr halten, soll weiter ausgebaut werden. Dieser Bahnhof bleibe auch ohne den Fernverkehr ein wichtiger Knoten im Netz, sagte gestern Bahnchef Hartmut Mehdorn. Auch in Zukunft hielten dort mehr als 600 S-Bahnen sowie 198 Regionalzüge täglich; die Zahl der Fahrgäste liege täglich weiter über 100 000.

Weil jetzt weniger Züge im Bahnhof Zoo halten, gebe es endlich Platz, um umfangreiche Arbeiten vornehmen zu können, so der Bahnchef. In der Vergangenheit seien solche Arbeiten oft gefährlich für die Fahrgäste gewesen, weil es auf den Bahnsteigen dann sehr eng geworden sei – etwa beim Einbau von Aufzügen. Eigentlich hätte man die Bahnsteige während der Arbeiten sperren müssen, sagte Mehdorn, doch das sei nicht möglich gewesen, als Zoo noch zentraler Bahnhof für die Stadt war.

Nach der heutigen Aufnahme des Betriebs im neuen Hauptbahnhof entspanne sich die Lage im Bahnhof Zoo erheblich, der nie für den Andrang, wie er in den vergangenen Jahren oft herrschte, gebaut worden sei. Nach dem Konzept der Reichsbahn vor dem Krieg war Zoo nur einer von mehreren Fernbahnhöfen auf der Stadtbahn. Die Züge hielten auch im Ostbahnhof, der damals noch Schlesischer Bahnhof hieß, am Alexanderplatz, an der Friedrichstraße und meist auch noch in Charlottenburg. Nach dem Krieg aber musste der Bahnhof Zoo nicht nur die Aufgaben der Bahnhöfe auf der Stadtbahn übernehmen, sondern auch noch den Verkehr der geschlossenen Kopfbahnhöfe.

Zu den genauen Ausbauplänen für den Regionalbahnhof Zoo äußerte sich Mehdorn gestern nicht. Er könne sich aber vorstellen, dass es mehr Geschäfte gebe und die Station durch das Entfernen der Zwischendecke übersichtlicher werde. Der Umfang der Arbeiten werde auch davon abhängen, ob unter dem Hardenbergplatz eine Tiefgarage gebaut werde. Dann werde der Bahnhof Zoo auch für Autofahrer interessant, die dort bisher nur selten einen Parkplatz fänden.

Fernzüge sollen nach dem Willen Mehdorns aber auch nach einem Umbau, der mehr Platz schaffen könnte, nicht mehr im Bahnhof Zoo halten. Deshalb gehen die Proteste gegen das Abkoppeln des Bahnhofs vom Fernverkehr weiter. Am Dienstag findet um 18.30 Uhr eine Protestaktion auf dem Breitscheidplatz statt.

Mehdorn selbst sieht seine Zukunft eher im neuen Hauptbahnhof. Denkbar sei, dass die Konzernzentrale in die so genannten Bügelbauten des Bahnhofs einziehe, wenn 2009 der Mietvertrag für den Sony-Tower auslaufe. Ein Hochhaus wolle die Bahn am Hauptbahnhof für sich nicht bauen lassen. Dieses Feld will Mehdorn einem anderen Investor überlassen.

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