Berlin : Mehr Ärzte sollen aufs Land

Neue Regeln für bedarfsgerechte Versorgung.

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Berlin/Potsdam – In keinem anderen Bundesland ist der Ärztemangel so akut wie in Brandenburg: Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) des Landes fehlen derzeit 120 Hausärzte und wenigstens 15 Fachärzte. Vor allem viele ländliche Gegenden sind unterversorgt, während sich andernorts mehr Ärzte niederlassen wollen als benötigt. Um auf den Bedarf besser reagieren zu können, sollen Länder künftig die sogenannten Planungsbereiche, für die immer nur eine bestimmte Zahl von Zulassungen erlaubt ist, flexibler gestalten dürfen. Eine entsprechende Neuregelung hat das höchste deutsche Gremium im Gesundheitswesen, der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken, am Donnerstag in Berlin vorgestellt. Sowohl von Brandenburgs KV als auch von der rot-roten Landesregierung wurde der Beschluss begrüßt.

„Damit wird eine langjährige Forderung der Länder erfüllt, die eine zielgenauere Verteilung der Ärzte, vor allem auch der Hausärzte wollten“, kommentierte Brandenburgs Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) die neue Richtlinie. Auch aus Sicht von Brandenburgs KV-Sprecher Ralf Herre war eine Überarbeitung der sogenannten Bedarfsplanungsrichtlinie überfällig: Die alte Regelung, nach der die Einteilung der Planungsbereiche bundesweit einheitlich den Landkreisen entspricht, sei für ein Flächenland wie Brandenburg realitätsfern. „Kreise wie Oberhavel gelten damit rechnerisch insgesamt zwar als ausreichend versorgt. Doch je weiter man sich von der Berliner Stadtgrenze Richtung Norden entfernt, desto weniger Hausärzte findet man“, erläuterte Herre. Auch die Kriterien, nach denen sich die Zahl der möglichen Ärzte innerhalb eines Planungsbereichs bemisst, seien nicht ohne Weiteres übertragbar, weil etwa in Brandenburg überdurchschnittlich viele ältere Menschen, chronisch Kranke und mehrfach krankheitsbelastete Menschen leben, erläuterte Herre.

Die teilweise schlechte medizinische Grundversorgung in einigen Regionen Brandenburgs könnte Experten zufolge bereits gravierende Folgen haben. So sei die vergleichsweise hohe Sterberate bei Krebserkrankungen im Land möglicherweise dem Umstand geschuldet, dass wegen des Hausärztemangels Krebs in Brandenburg oft zu spät erkannt würde, sagte jüngst der Krebsexperte des Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikums, Professor Georg Maschmeyer.

Durch die neue Bedarfsplanungsrichtlinie allein sei der Ärztemangel jedoch nicht abgewendet, warnte KV-Sprecher Herre. Man könne trotzdem keinen Mediziner zwingen, sich in abgelegenen Regionen niederzulassen. Deshalb sei es wichtig, Anreize wie eine bessere Infrastruktur für junge Familien, Arbeitsplätze und kulturelle Angebote in den Randregionen zu schaffen. „Außerdem bedeuten mehr Ärzte auch mehr Leistungen für Versicherte“, sagte Herre. Damit stünde dann auch mehr Geld für die ambulante Medizin bereit. Matthias Matern

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