Berlin : Mehr als 20 Brandstiftungen in einer Nacht

Kinderwagen, Motorräder, Autos, Bagger zerstört Zahl der Taten in diesem Jahr deutlich gestiegen

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Ein Motorrad wurde in der Kuglerstraße in Prenzlauer Berg abgebrannt. Foto: Anne Meyer
Ein Motorrad wurde in der Kuglerstraße in Prenzlauer Berg abgebrannt. Foto: Anne MeyerFoto: Anne Meyer

Nacht für Nacht gehen Brandstifter um in Berlin – in der Nacht zu Mittwoch waren die unbekannten Täter besonders aktiv. Mehr als 20 vorsätzliche Zündeleien zählte die Feuerwehr in zwölf Stunden. Insgesamt sei sie zwischen Dienstagabend, 19 Uhr, und Mittwoch früh, 7 Uhr, stadtweit 55 Mal wegen Alarmrufen ausgerückt, hieß es bei der Feuerwehr. Vier Menschen wurden verletzt. Rund die Hälfte der Brände seien durch Brandstifter verursacht worden. Polizei und Feuerwehr sind in Sorge.

Allein sieben Zündeleien gab es in Prenzlauer Berg. In der Prenzlauer Allee und ihren Seitenstraßen war die Feuerserie der Nacht am gestrigen Mittwoch Gesprächsthema. Prenzlauer Allee 174: Beißender Qualmgeruch liegt noch am Vormittag in dem Hinterhof in der Luft. Hier hat der unbekannte Täter seine Brandserie offenbar gestartet – und den Holzkasten eines Transportfahrrades angezündet. „Darin sitzt sonst meine Tochter“, sagt die junge Mutter eines dreieinhalbjährigen Mädchens. 2000 Euro habe das Rad gekostet.

Kurze Zeit nach der ersten Zündelei folgten nach 22.30 Uhr weitere Taten – zuerst gleich nebenan: In der Prenzlauer Allee 175, nahe dem S-Bahnhof, zündete der Unbekannte einen Pappkarton an, in der Nummer 145 ein Moped. Von hier aus zog der Täter offenbar weiter in die Wichertstraße, wo er gegen 23.15 Uhr in einem Treppenhaus einen Stromzählerkasten in Brand steckte.

Nur eine halbe Stunde verging, dann ging wenige hundert Meter nördlich vor einem Wohnhaus in der Kuglerstraße ein Motorroller in Flammen auf. Von dem Gefährt ist nur noch ein verkohlter Haufen Schrott übrig geblieben. Die Rauchschwaden zogen meterhoch bis in den vierten Stock. Nicht einmal eine halbe Stunde nach dem entflammten Roller folgte bereits die nächste Tat: Der Unbekannte war zurück auf die Prenzlauer Allee gegangen, wechselte die Straßenseite und drückte eine offenbar nicht verschlossene Hauseingangstür in der Siedlung der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag auf. Dort, neben den Eingängen zum Keller der Hausnummer 110, zündete er einen abgestellten Kinderwagen an und verschwand.

Wie in den Nächten zuvor wurde auch in Wedding wieder gezündelt, nach einer Pause auch wieder in Neukölln. Ein Feuerwehrmann sagte dem Tagesspiegel, die Brände in Prenzlauer Berg gingen vermutlich auf das Konto eines einzelnen Täters, den in Wedding habe jemand anders verursacht. Weitere Täter dürften für die Einzeltaten in anderen Bezirken verantwortlich sein. Die Polizei setzte erneut einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera ein, um den Tätern auf die Spur zu kommen, jedoch vergeblich.  

Nach Polizeiangaben ist Brandstiftung neben Einbruch und Fahrraddiebstahl das Delikt, bei dem es in den ersten fünf Monaten dieses Jahres die höchsten Steigerungsraten gab – nämlich um 23 Prozent auf 547 Taten. Bei den Brandstiftungen seien es vor allem die Taten in Wohnhäusern sowie angezündete Müllcontainer gewesen, die die Zahlen in die Höhe schnellen ließen. Allein 163 Mal zündeten Brandstifter in Treppenhäusern unter anderem Kinderwagen, Sperrmüll oder Papierkörbe an. Brandstiftungen, über die berichtet wird, ziehen weitere Brandstiftungen nach sich. So habe es nach dem Großbrand in der Neuköllner Sonnenallee im März eine erkennbare Zunahme gegeben. Im Frühsommer sei die Welle abgeflaut, nun wieder angestiegen.

Zu den mehr als 20 Brandstiftungen in der Nacht zu Mittwoch zählen auch wieder politisch motivierte Taten. In der westlichen Innenstadt wurden drei Pkw angezündet, in der Friedrichshainer Modersohnstraße ein Bagger.

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