Berlin : Mehr als 30 000 Protestwähler

Auswertung der Wahlergebnisse zeigt: Jede dritte ungültige Stimme wurde absichtlich entwertet

Jörg-Peter Rau

Mindestens jede dritte der ungültig abgegebenen Stimmen bei der Bundestagswahl am 22. September geht auf das Konto von Protestwählern. 32,6 Prozent der ungültigen Stimmzettel waren leer oder durchgestrichen. Insgesamt waren rund 110 000 Stimmzettel nochmals ausgewertet worden. Bei den anderen zwei Dritteln seien zumindest teilweise Fehler gemacht worden, sagte Landeswahlleiter Andreas Schmidt von Puskàs am Dienstag bei der Vorstellung der Ergebnisse der repräsentativen Wahlstatistik.

Wird die Stichprobe auf das Gesamtergebnis umgerechnet, müssen etwa 16 000 Wahlberechtigte ihren Unmut durch einen ungültigen Stimmzettel kundgetan haben. Erhebungen zu den ungültigen Stimmen sind indessen nur ein Nebenprodukt der repräsentativen Wahlstatistik, die zum ersten Mal seit 1990 wieder ausgewertet wurde. Dazu wurden 138 Urnen- und 25 Briefwahlbezirke per Zufall ausgewählt. Speziell gekennzeichnete und nach Geschlecht und Alter differenzierte Stimmzettel aus diesen Bezirken wurden jetzt nochmals ausgewertet.

Das Wahlgeheimnis ist dadurch nicht bedroht: Erstens müssen alle für die Stichprobe ausgewählten Stimmbezirke ziemlich groß sein, zweitens besorgen nicht die Wahlvorstände das Nachzählen, sondern die Mitarbeiter des Statistischen Landesamts. Neben Aussagen darüber, ob und wie Frauen und Männer, Junge und Alte wählten, kann auch das Stimmen-Splitting erforscht werden. In Anbetracht der Tatsache, dass auf alle Fälle eine Koalition an die Regierung kommen würde, überrascht es laut Schmidt von Puskàs nicht, dass vor allem Wähler von SPD und Grünen ihre Stimmen taktisch abgaben.

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