Mehr als eine Bar : Vertrauen ist besser

Das „Trust“ an der Torstraße setzt auf menschliche Nähe. Alkohol gibt's deshalb ausschließlich flaschenweise - und die Toiletten sind nur durch Schiebetüren getrennt.

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Mit Konzept. Fotograf Sascha Kramer, Clubgröße Cookie und Marcus Trojan vom Weekend haben die Bar in der Torstraße gemeinsam eröffnet (von links).
Mit Konzept. Fotograf Sascha Kramer, Clubgröße Cookie und Marcus Trojan vom Weekend haben die Bar in der Torstraße gemeinsam...Foto: David Heerde

Die Eingangstür sieht nicht besonders vertrauenserweckend aus. Mit schwarzer Folie ist sie zugeklebt, was sich hinter ihr verbirgt, ist nicht zu erahnen. Wer hier aber wagt zu klingeln, dem eröffnet sich eine Bar, bei der Vertrauen nicht nur Name, sondern auch Konzept ist.

Trust heißt die Bar an der Torstraße, die kürzlich von den Berliner Clubgrößen Cookie (Cookies) und Marcus Trojan (Weekend) zusammen mit Fotograf Sascha Kramer eröffnet wurde.

Alkohol wie Wodka, Gin und Rum gibt es hier nur flaschenweise, abgefüllt in 0,2 oder 0,5 Behälter, auch Wein und Champagner wird nicht im Glas ausgeschenkt, Säfte werden nur in Karaffen angeboten. Für einen allein sind solche Mengen zu viel, man wird quasi zum Teilen gezwungen, mit seinen Freunden oder anderen Gästen – und muss darauf vertrauen, dass allen gleich viel eingegossen wird, die anderen nicht schneller trinken oder sie womöglich gleich die ganze Flasche verschwinden lassen. Weiter mit den vertrauensbildenden Maßnahmen geht es auf der Toilette. Die ist unisex, aber das findet in Berlin niemand mehr spannend. Deshalb gibt’s ein neues Gimmick: Die einzelnen Toiletten sind an den Seiten nur mit einer Schiebetür verbunden und können von den Nachbarn links und rechts geöffnet werden. Aber auf die ist ja Verlass – oder?

Gerade in Berlin-Mitte, wo Unnahbarkeit für viele das angesagteste Accessoire zu sein scheint, mutet ein solches Konzept fast an wie ein Erziehungsversuch. Aber natürlich wollen die drei Macher ihre Gäste nicht belehren, sondern unterhalten. Das Triumvirat hat sich zusammengetan, um sich selbst eine Art Wohnzimmer zu schaffen. Einen Ort, an dem sie sich jeden Tag wohlfühlen, ihre Freunde treffen und neue Kontakte knüpfen können. Und weil das schwerer ist, wenn jeder alleine an seiner Bierflasche vor sich hin nuckelt, muss der Alkohol eben geteilt werden. Und die Toilette.

„Eine solche Idee kann man natürlich nicht vom Schreibtisch aus entwickeln“, sagt Cookie. Die vergangenen Monate haben sie immer wieder diskutiert und nach einem passenden Ort gesucht. Der ehemalige Plattenladen an der Torstraße war genau richtig. Gerade weil er mit 100 Quadratmetern nicht besonders groß ist. Denn großer Club gleich großer Aufwand – und davon haben sie mit ihren anderen Projekten schon genug. Vor allem aber ist mini gerade angesagt bei den Berlinern. „Die Menschen sehnen sich nach kleinen Läden, die ihnen Geborgenheit bieten“, sagt Trojan. Das beweist bereits das King Size, die winzige Bar an der Friedrichstraße. Das Trust soll jedoch mehr sein, gleichermaßen Lounge, Club und Kontakt-Bar.

Mit Architektin Laura Rave haben Cookie, Trojan und Kramer an der Einrichtung gefeilt. Jetzt strahlt der ehemalige Plattenladen in warmen Goldtönen. Der Raum ist in vier Bereiche aufgeteilt, die alle offen zueinander sind. In der einen Ecke stehen grüne Retrosessel, in der anderen eine verspiegelte Schrankwand. Das 70er-Jahre-Doppelbett in der hinteren Ecke ist neulich schon zusammengekracht – zu stark frequentiert. Die XXL-Couch nebenan bietet Blick auf Tanzfläche und Bar, die sich gleich hinten am Eingang befinden. An den Wänden hängen Bilder von Kramer und dem Künstler David Mallon.

Einen „Laden für erwachsene Kinder“, nennt Trojan das Trust. Wohlfühlen sollen sich hier 20-Jährige genauso wie 60-Jährige. Musik gibt’s von befreundeten DJs, zum Tanzen ist allerdings nicht viel Platz – aber gut, beim sich auf die Füße treten kann man ja hervorragend Kontakte knüpfen.

Für die drei Macher ist das Trust auch ein Spielzeug. „Ich bin total verliebt in den Laden und könnte hier den ganzen Tag rumbasteln“, sagt Trojan. Am liebsten hätten Trojan und Kramer das Trust sieben Tage geöffnet, aber Cookie riet ab. Zu anstrengend, schließlich müssen sie auch ihre anderen Clubs und Restaurants betreuen. Deshalb ist jetzt von Dienstag bis Samstag geöffnet, der Eintritt ist frei. Weitere Gemeinschaftsprojekte wollen Cookie, Trojan und Kramer nicht ausschließlichen, sind aber erst mal nicht geplant.

Trust, Torstraße 72, Berlin-Mitte, Di.–Sa. ab 20 Uhr

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