Berlin : Mehr Angst vor wilden Partys als vor technischen Problemen

Jörn Hasselmann

Bei Gas, Wasser und Strom werden keine Engpässe erwartet - U-Bahn stoppt für fünf MinutenJörn Hasselmann

Die Versorgung und die Sicherheit der Berliner in der Nacht der Nächte scheint gesichert. Gasag, Bewag und BVG sowie die Telekom verkündeten gestern, dass "Berlin fit für das Millennium" sei. Das Motto der gemeinsamen Konferenz am Mittwoch war denn auch gleichzeitig das Fazit aller Beteiligten.

Feuerwehrchef Albrecht Broemme hat in der Silvesternacht vermutlich weniger Probleme mit der Datenverarbeitung, sondern eher mit den vielen Feiern. Die Feuerwehr erwartet etwa doppelt so viele Brände in den ersten sechs Stunden des neuen Jahres. Rund 1000 Mal müssten die Männer dann ausrücken, im vergangenen Jahr gab es 550 Mal Alarm. Das Personal werde deshalb verdreifacht. Sämtliche Berufs-, Betriebs- und Freiwilligen Wehren werden besetzt sein. Auch in den Tagen vor und nach der Silvesternacht werde das Personal um 50 Prozent aufgestockt. Broemme lobte, dass es sehr viele Freiwillige gebe, auch bei Hilfsdiensten wie Malteser und DRK. Die Polizei will nach den Worten des Feuerwehrchefs 7000 Beamte auf die Straße schicken und damit die übliche Besetzung verfünffachen. In der kommenden Woche werde die Feuerwehr eine "Generalprobe" veranstalten, die ein Belastungstest für Personal, Technik und Leitstelle darstellen soll. Broemme empfahl, keine Billig-Knaller aus Polen zu kaufen und vor allem keine Feuerwerkskörper zur großen Party am Brandenburger Tor mitzunehmen. Dort seien Flaschen und Böller verboten, es werde Taschenkontrollen geben. Wer auf einer privaten Feier in einer Gaststätte, Diskothek oder einem Hotel feiere, solle sich frühzeitig über Notausgänge informieren.

Vom 15. Dezember bis 15. Januar wird in allen Senatsverwaltungen und Bezirksämtern ein "Notstab" gebildet, der rund um die Uhr erreichbar sein wird. Die Stromversorgung sei auf jeden Fall gewährleistet, sagte Bewag-Experte Stefan Keese, alle Kraftwerke seien "scharf getestet" worden. Gleiches behauptete Gasag-Vorstand Rudolf Schulten für die Gasversorgung und Ortwin Scholz von den Wasserbetrieben.

Auch die BVG sorgt vor. Dass die U-Bahn-Züge um zwölf Uhr plötzlich im Tunnel stehen bleiben, konnte man offenbar nicht hunderprozentig ausschließen. Obwohl auf zwei Musterstrecken in zwei Nächten der Jahrtausendwechsel simuliert wurde, geht die BVG auf Nummer sicher: Alle U-Bahnen werden zwischen 23.58 und 0.03 Uhr auf bestimmten Bahnhöfen angehalten. In dieser Zeit wird Personal auf allen Bahnsteigen präsent sein, verspricht die BVG. Die Aufzüge werden gegen 23.30 Uhr außer Betrieb genommen. Ab 1.30 Uhr will die BVG die Lifte peu à peu wieder einschalten. Gegen 2.30 Uhr geht es dann wieder überall auf und ab. Für die größten Notfälle tagt ein Krisenstab in der Leitstelle im U-Bahnhof Turmstraße, und auch das BVG-Personal wird deutlich verstärkt.

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