Berlin : Mehr Drogentote: In Berlin starben 192 Menschen

Ingo Bach

Die Zahl der Drogentoten in Berlin ist im vergangenen Jahr gestiegen, obwohl sie deutschlandweit zurückging. 2004 starben in der Stadt insgesamt 192 Menschen an den Folgen des Rauschgiftmissbrauchs – 27 mehr als ein Jahr zuvor. Dieser Anstieg habe verschiedene Ursachen, sagt Monika Wojak vom Büro der Landesdrogenbeauftragten. So fände man derzeit Rauschgifte mit höherer Wirkstoffkonzentration auf dem Markt, die zu unbeabsichtigten Überdosierungen führen könnten. Außerdem gebe es in Großstädten immer mehr Abhängige, die mehrere Substanzen parallel konsumierten – eine gefährliche Mischung. „Auch die Szene verändert sich“, sagt Wojak. Die Abhängigen würden immer älter – vor 20 Jahren lag das Durchschnittsalter in Berlin noch bei 25, jetzt bei 34 Jahren – sie seien ärmer und verelendeter, und damit anfälliger für tödliche Komplikationen. Und schließlich würde in Berlin jeder Tote, bei dem ein Verdacht auf Drogenmissbrauch bestehe, obduziert. „In manchen Bundesländern wird gerade mal jeder zweite mögliche Drogentote so genau untersucht.“

Die meisten Opfer starben in Mitte (44) und Friedrichshain-Kreuzberg (35). Der älteste der Rauschgift-Toten war 60 Jahre alt, der jüngste gerade mal 18.

Der Trend ist problematisch für die Befürworter der Drogenkonsumräume. Die Fixerstuben – zwei stationäre und ein Bus – gingen November 2003 in Betrieb. Die Befürworter verwiesen auf Studien, nach denen in Orten mit Konsumräumen die Zahl der Drogentoten sinke. Doch diesen einfachen Zusammenhang gebe es nicht, sagt Wojak: „Wir erreichen mit den Räumen pro Jahr etwa 600 Süchtige, von insgesamt 8000 in Berlin. Das hat keinen starken Einfluss auf die Drogentoten, weder negativ noch positiv.“

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