Berlin : Mehr Eintritt, weniger Gäste, gleiche Pacht

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Von Annekatrin Looss

Erst wurden die Preise erhöht, dann blieb noch die Sonne weg: Die Pächter der Restaurants in den Berliner Freibädern klagen.

„So schlecht wie in diesem Jahr lief das Geschäft noch nie“, sagt Thomes Flöter. Seit 35 Jahren hat er das Restaurant im Kreuzberger Prinzenbad gepachtet. Jetzt denkt er ans Aufhören, bislang hat er dieses Jahr nur Miese gemacht. „Schuld sind die hohen Eintrittspreise“, sagt Flöter. „Die Leute, die ins Freibad kommen, sind ohnehin recht arm, können sich einen Sommerurlaub nicht leisten. Das Essen bringen sie sich mit, denn fürs Restaurant ist kein Geld mehr übrig.“ Auch in den Bädern Mariendorf und Tempelhof betreibt Flöter die Restaurants. Dort läuft es genauso schlecht. „Hätte ich nicht noch eine gutgehende Cocktailbar in Charlottenburg wär ich schon längst pleite.“

Auch das Wetter macht den Freibad-Gastronomen zu schaffen. Erst vier richtige Sonnentage hat es in diesem Sommer gegeben. Um in die schwarzen Zahlen zu kommen, brauchen die Restaurantbetreiber mindestens 21. Hochmotiviert war Richard Gruhnke in die Saison gestartet. Er hat in diesem Sommer nicht nur drei Gaststätten, sondern auch die dazugehörigen Strandbäder gepachtet, wollte mit gutem Service und abwechslungsreichem Programm viele Gäste anlocken. Doch stattdessen wächst der Schuldenberg. „Mit der Sommerparty in Lübars habe ich 10 000 Euro Verlust gemacht“, sagt Gruhnke. „Weil der Eintritt so teuer ist, gehen die Leute lieber ein paar Meter weiter an eine wilde Badestelle.“

Viele Pächter hoffen nun, dass die Bäderbetriebe mit sich über die Restaurantpacht reden lassen. „Das wäre nur fair, die haben die Preise ja schließlich auch erhöht, ohne uns zu fragen“, sagt Flöter.

Bei den Bäderbetrieben ist die Verhandlungsbereitschaft verhalten. „Bei mir hat sich noch niemand beschwert“, so der Kommentar von BBB–Vorstand Michael Schenk.

Einzig Wolfgang Witsch ist zufrieden. Er hat in diesem Sommer das Freibad Halensee gepachtet. „Wir nutzen das schlechte Wetter als Übungsphase“, sagt er. Sein Bad will er in ein exotisches Strandparadies verwandeln. An der Strandbar gibt es auch Cocktails und Champagner. „Selbst wenn es in diesem Sommer nicht so gut laufen sollte, wäre das nicht tragisch, denn mein Konzept ist langfristig“, sagt Witsch.

Und die Idee scheint aufzugehen: Die baltischen Botschaften haben das Bad ebenso wie die österreichische schon für Strandfeste gemietet. Warum sein Bad besser läuft als unter der Regie der Bäderbetriebe? „Meine Motivation ist größer“, sagt Witsch. Jedes zusätzliche Engagement zahle sich für seine Angestellten in barer Münze aus, anders als bei den Bäderbetrieben. Bei den Eintrittspreisen dagegen ist Witsch an die Vorgaben gebunden. „Ich würde gern weniger nehmen, doch in dieser Saison wird das wohl nichts mehr.“ Dass es noch mal richtig Sommer wird, daran hat Witsch keine Zweifel. „Bestimmt bekommen wir noch dazu einen wunderschönen, goldenen Herbst.“

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