Berlin : Mehr Jugendliche verletzen sich absichtlich

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Immer mehr Berliner Jugendliche fügen sich selbst Verletzungen zu. Vor allem Mädchen und junge Frauen ritzen sich mit Rasierklingen in die Haut, reißen sich die Haare aus oder hungern. In den beiden Kinder und Jugendpsychiatrien an dem zu Vivantes gehörenden Humboldt- und am Hellersdorfer Klinikum würden jeden Monat rund 30 Jugendliche mit Selbstverletzungen behandelt, teilte der Klinikkonzern am Montag mit. Vor zwei Jahren waren es zehn Patienten. In Berlin seien rund 5000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren davon betroffen.

Die steigende Tendenz bestätigt auch Karin Stern, psychologische Psychotherapeutin an der 1. Kinderklinik des Helios-Klinikums in Buch. Der Grund sei die zunehmende Vereinzelung der Kinder unter anderem in großen Schulklassen, aber vor allem in der Familie. „Immer weniger Eltern nehmen zum Beispiel die Mahlzeiten gemeinsam mit ihren Kindern ein.“ Um aus dieser Anonymität aufzutauchen, fügten sich Kinder selbst Verletzungen zu, um sich dann selbst zu spüren – und in der Hoffnung, dass ihr Tun irgendjemandem auffalle. Während Jungen die Aggression eher nach außen richteten, sind es die Mädchen, die sich selbst verletzten.

Eine Ursache für Selbstverletzungen könne auch sexueller Missbrauch sein, sagte Oliver Bilke, Direktor der beiden Kinder- und Jugendpsychiatrien von Vivantes. „Selbstverletzungen sind immer auch ein Hilferuf“, sagte der Arzt. Um dem Ursprung der Verletzungen nachzugehen, sei oft eine Therapie nötig.I.B.

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