Berlin : Mehr Licht

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber lässt sich

gern vom Künstler Gert Hof blenden

Nett, dass der Mann der Stadt die Treue hält: Lichtkünstler Gert Hof hätte Gründe, in Berlin keinen Lichtschalter mehr anzuknipsen. Da wollte er zur Jahrtausendwende ein Millennium-Lichtmonument an der Siegessäule errichten – und man schleuderte ihm „Lichtdom!“ und „Albert Speer!“ entgegen. Hof musste die Aufführung dimmen – woran man sehen kann, dass politische Korrektheit in Watt zu messen ist. Seither aber redet man über Gert Hof als einen Mann der „Mega-Events“. Derart helle Lichtorgien macht er, dass man sie auch vom Mond aus genießen könnte, wenn es dort Berliner Kindl zu trinken und China- Pfanne zu essen gäbe. Der Mann ist also der Richtige für das Großereignis EU-Erweiterung, wie es Ende April auf dem Gendarmenmarkt zelebriert werden soll. Von Lichtdomen redet aber keiner mehr, jetzt sind Neonröhren angesagt. Und das sollte uns bei aller Sympathie für Gigantomanie zu denken geben. Neonröhren sind etwas für Stromsparer. Das zeigt zweierlei: Die Sparerei hat uns in Berlin mental derart befallen, dass wir sogar bei Mega-Events daran denken. Da tröstet der Hinweis nicht, dass Hof in wenigen Minuten genügend Energie verbraucht, um Magdeburg für eine Woche zu versorgen. Magdeburg – brennt da abends Licht? Noch schlimmer ist der Verdacht, den die Neonorgie nährt: Unser Berliner Stromnetz ist zu einer Megaleistung mit Hofschen Fernlichtstrahlern womöglich nicht fähig. Die Beitrittsländer starren auf den Gendarmenmarkt – und der wäre nach einem Lichtblitz in tiefes Schwarz getaucht. Eine böse Vorstellung: Der Regierende, wie er vor dem Schauspielhaus eine Kerze entzündet.

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