Berlin : Mehr Luxus für das KaDeWe

Fast alles wird umgebaut – nur die Gourmet-Abteilung nicht

Bernd Matthies

Stammgäste haben es bereits bemerkt: Im KaDeWe wird umgebaut. Doch was bisher nur wie Möbelrücken im Erdgeschoss aussieht, ist in Wirklichkeit der Beginn einer kompletten Neuorientierung, nach deren Abschluss Mitte 2007 in Berlins Vorzeigekaufhaus kaum noch etwas an der gewohnten Stelle stehen wird. Ausgenommen sind die Feinschmeckeretage und das SB-Restaurant darüber, die weitgehend im vertrauten Zustand bleiben sollen. 40 Millionen Euro wird der Umbau insgesamt kosten.

Die einheimischen Besucher werden zumindest ein paar englische Worte lernen müssen, um die Orientierung nicht zu verlieren. In den Worten von Thomas Freude, dem Chef der Karstadt-Warenhäuser klingt das so: Die „Shopping Destination“ KaDeWe solle in der „Champions League der Department Stores“ eine führende Rolle spielen. Zu Deutsch heißt das, dass man das Haus in den kommenden drei Jahren stärker in Richtung Luxus profilieren will, und zwar mit Hilfe prominenter Markennamen, viel „emotionaler Aufladung“, einer neuen Etagenstruktur und der passenden Inneneinrichtung. Freude findet sogar den alten KaDeWe-Slogan „First Class Shopping“, der als problematisch galt und nicht mehr verwendet wird, durchaus wieder zutreffend: „Wir koppeln uns bewusst ab von der Marktentwicklung.“ Allerdings schränkt Patrice Wagner, seit Jahresbeginn erster Geschäftsführer, ein wenig ein: Man wolle Luxus anbieten, „ohne dabei zu übertreiben“.

Das neue Erdgeschoss ist dem Thema „Luxus und Lebensstil“ gewidmet. Hier wird es zukünftig Accessoires, Uhren und Schmuck führender Edelmarken wie Vuitton, Dior, und Bulgari geben, außerdem Lederwaren und erweiterte „Parfümerie-Welten“ mit eigenen Pflegekabinen. Im ersten Stock konzentrieren sich künftig Herren-Mode und Herren-Sportmode mit erweitertem Angebot so genannter „Premium-Marken“ wie Boss, Paul Scott oder Brioni, dazu Schuhe, Reisegepäck und Lederwaren.

Der zweite Stock wird ganz auf Damenmode vom mittleren bis zum Luxus-Sortiment konzentriert und deutlich mehr Platz bieten als bisher, weil die Wäscheabteilung in den dritten Stock abwandert. Dort findet sich künftig ein Sortiment, das unter dem Motto „Shoppen und Relaxen“ steht. „Wellness und Day Spa“, dazu Sortimente in Sachen „Women Fitness“, Frottier- und Bettwaren, Kinderbekleidung, Kinderfriseur und Kinderbetreuung. Im vierten Stock wird nach dem Umbau angesiedelt, was in den Worten der Pressemappe „Livingwelt von Lifestyle und Interieur“ heißt. Wohnen und Essen, Küche, Gardinen, Tischwäsche, Elektro und Leuchten finden sich dort.

Der fünfte Stock bleibt künftig der Kommunikation im weitesten Sinn vorbehalten – Multimedia mit Spitzenmarken wie Loewe, Bang&Olufsen und Burmester, Spielwaren, eine neue Buchabteilung mit erweiterten Leseinseln, dazu Schreibwaren und Papeterie. Die Silber-Terrassen bleiben, wo sie sind. Insgesamt soll das Sortiment mit gewissen Anpassungen der Verkaufsfläche erhalten bleiben. Raum für den Umbau wurde durch die Verlegung der Teppich- und Stoffabteilung auf die andere Seite der Passauer Straße gewonnen. Die Feinschmeckerabteilung, um deren Zukunft es in den letzten Monaten allerlei Geraune gab, wird nicht angetastet. Es hieß, sie bleibe aus Sicht der Kunden und aus Sicht des Konzerns die bedeutendste und prägnanteste Abteilung des Hauses. Man werde sie auf höchstem Niveau mit verbesserten Produktions- und Betriebsabläufen erhalten.

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