Berlin : Mehr Menschen ohne Dach über dem Kopf

Wohlfahrtsverbände: Zunehmend Frauen von Obdachlosigkeit betroffen

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In Berlin leben wieder mehr Menschen auf der Straße. Vor allem Frauen, die aufgrund ihrer Lebenssituation psychisch erkrankt sind, melden sich zunehmend in den Notunterkünften der Berliner Wohlfahrtsverbände. Und es könnte einen weiteren Anstieg geben, befürchten die Träger der ObdachlosenHilfen: Zum einen wegen der steigenden Arbeitslosigkeit und dem damit verbundenen sozialen Abstieg. Zum anderen wegen der gekürzten Landeszuschüsse für den sozialen Wohnungsbau – dadurch werde es schwerer, Wohnungen zu bekommen. Dies teilten Träger der Caritas und der Diakonie auf einer Pressekonferenz zu „20 Jahre Kältehilfe in Berlin“ und dem Start der diesjährigen Winterhilfe mit.

Ende 2004 wurden nach Auskunft von Diakonie-Fachmann Hermann Pfahler rund 2000 Menschen ohne eigene Wohnung unter anderem in betreuten Wohngemeinschaften untergebracht. 5000 weitere Wohnungslose lebten in Pensionen oder Heimen von Bezirken oder privaten Trägern. Hinzu kommen jene Menschen, die in Parks oder Ruinen schlafen, sowie Frauen, die gegen sexuelle Leistungen Unterschlupf finden. Experten schätzen deren Zahl auf zwischen 1000 und 4000 Frauen und Männer in Berlin.

Sie alle finden jetzt wieder Hilfe in den 71 Einrichtungen der Kältehilfe von Wohlfahrtsverbänden oder Kirchen. Diese gibt es nur dank vieler ehrenamtlicher Mitarbeiter. „Sie leisten etwas, das unbezahlbar ist – sie begegnen den Menschen mit Würde“, sagte Ortrud Wohlwend von der Stadtmission. In 16 Berliner Nachtcafés stehen 50 Plätze zur Verfügung; die strenger reglementierten Notübernachtungen bieten 235 Plätze. Auch in der Notübernachtung Lehrter Straße mit 60 Plätzen ist der Andrang groß – dort melden sich an Winterabenden teils bis zu 100 Personen.

Nach der Wende gab es in Berlin sogar fast 13 000 Obdachlose. Noch Mitte der 80er Jahre waren viele Kältetote zu beklagen, dies ist heute kaum noch der Fall. Zu verdanken ist das auch dem Arztmobil der Caritas sowie dem Kältebus der Stadtmission. Christoph Rottmann vom Kältebus bat die Berliner jetzt, sich zu melden, wenn ihnen hilfsbedürftige, offensichtlich obdachlose Personen auffallen: Die Nummer 0178/52 35 838 ist Sonntag- bis Donnerstagnacht geschaltet. kög

Alle Einrichtungen im Internet:

www.kaeltehilfe-dwno-berlin.de

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