Berlin : Mehr Mittelmeer

Cindy Mentz vom Restaurant Chateau 105 empfiehlt mehr Mittelmeer

Bernd Matthies

Ja doch! Kulinarisch geht durchaus was in den östlichen Berliner Bezirken, weit ab von den Promi-Laufstegen rund um den Gendarmenmarkt. Nur muss eben das Konzept maßgenau passen, und die Betreiber sollten mit Geld umgehen können, dann lassen sich sogar bescheidene Träume verwirklichen. Ein solcher bescheidener Traum ist das „Chateau 105“, ein schlichtes Weinbistro in einem hübsch restaurierten Backsteinhaus in der Grünauer Regattastraße. Von außen nichts Besonderes, nicht direkt am Wasser und keinesfalls besonders hübsch gelegen – aber gerade das lenkt den Blick auf die kulinarischen Werte, die viele Gernesser von weit her in den Berliner Südosten ziehen.

Dass hier eine junge Köchin am Werk ist, wissen vermutlich viele Zufallsgäste überhaupt nicht. Denn Cindy Mentz werkelt lieber bescheiden im Hintergrund, und zu viel Wirbel ist ihr peinlich. Am liebsten trägt sie auch beim Kochen Schwarz. Dabei hat sie nichts zu verstecken, hier trägt keine Autodidaktin ihre Lieblingsrezepte vor, sondern es arbeitet eine Profi-Köchin, die weiß, was sie tut. Man sieht es an jedem ihrer ruhigen, zielsicheren Handgriffe.

Die heute 31-jährige gebürtige Friedrichshainerin ist allerdings aus sehr unkulinarischen Gründen zum Beruf gekommen. Dass sie mit 16 eine Lehre bei der Mitropa anfing, dann nur wegen der Aussicht, später mal ins sozialistische Ausland zu kommen, wenigstens das. Dann fiel die Mauer, wenige Wochen später war sie im Schwarzwald, beendete dort die Lehre und landete wenig später in Bielefeld, wo sie im Historischen Gasthaus Buschkamp kochte, in der gleichen Küche, die auch ein Sterne-Restaurant unter demselben Dach versorgt. Da blieb einiges hängen, was der jungen Nachwuchskraft dann bei Franz Raneburger im „Bamberger Reiter“ in Berlin half. Ein Jahr blieb sie, fühlte sich wohl, wollte es dann aber doch ein wenig lockerer angehen lassen, herumziehen, mal Sylt, mal Schweiz. Auf das Stellenangebot des Sterne-Kochs Wolfgang Pade in Verden antwortete sie nur aus Jux. Er musste sie zwei Wochen telefonisch belagern, bis sie zusagte. „Da würde ich heute vermutlich immer noch arbeiten“, sagt sie heute – wenn nicht ein schwerer Autounfall dazwischengekommen wäre. 12 bis 14 Stunden am Herd, das ging plötzlich nicht mehr.

Auch im „Chateau 105“ muss sie hart arbeiten. Doch sie steht allein am Herd, kann sich die Arbeit selbst einteilen und die Gerichte so gestalten, wie es ihr am besten in den Arbeitsablauf passt. Der Stil ihrer Küche ist mediterran beeinflusst, es finden sich auf der Karte Ideen ihrer früheren Lehrmeister und eigene Schöpfungen, nie mehr als ein rundes Dutzend insgesamt, wöchentlich wechselnd. Die Durchreiche in den Gastraum aber bleibt immer offen: „Wenn ich hier allein und ohne Kontakt nach draußen arbeiten müsste, würde ich das dann doch nicht aushalten.“

Ebenso bemerkenswert wie die fröhlich-undogmatische Küche von Cindy Mentz ist das Weinangebot ihres Partners René Bevermann. Die Liste eines Weinfreaks: Niepoorts roter Redoma aus Portugal, sächsische Raritäten von Zimmerling, Aust und Schloss Proschwitz, australische Geheimtipps und bezahlbare Bordeaux, alles also, was auch Kennern den weiten Weg in die Regattastraße leicht macht. Zumal sie die Flaschen ihres Herzens auch für angemessene Preise mit nach Hause nehmen dürfen.

Chateau 105, Regattastraße 105, Grünau. Tel. 67820991, Dienstag bis Sonnabend ab 18 Uhr geöffnet.

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