Berlin : Mehr Morde, mehr Banküberfälle und mehr Sexualtaten an Kindern

Werner Schmidt

Insgesamt ging 1999 die Kriminalität jedoch zurück - im dritten Jahr hintereinanderWerner Schmidt

Die Kriminalität in der Stadt ging 1999 das dritte Jahr in Folge zurück. Nach der bisher noch nicht veröffentlichen Kriminalitätsstatistik der Innenverwaltung wurden im vergangenen Jahr zwar über 572 500 Straftaten registriert, dies waren aber fast 14 000 oder 2,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Aufklärungsquote stieg leicht um 0,2 Prozent auf 49,6 Prozent. 1998 war die Aufklärungsquote von 49,4 Prozent als die höchste seit 30 Jahren gefeiert worden. Für die Polizeigewerkschaften sind die Zahlen aber kein Grund zur Entwarnung.

Nach den nackten Zahlen der Statistik-Tabellen sank die Zahl der Raubtaten insgesamt um knapp 200. Allerdings waren 111 mehr Handtaschenraube zu verzeichnen (mit einer um 3,6 Prozent gesunkenen Aufklärungsquote) sowie mehr Überfälle auf Banken und Poststellen (von 62 Taten 1998 auf 67). Dies sind absolut zwar nur fünf Taten, sie machen aber statistisch gleich 8,1 Prozent aus. In diesem Bereich stieg dann aber auch die Aufklärungsquote überproportional auf 83,6 Prozent.

Wenn man den Zahlen glaubt, darf man sich auf Berlins Straßen wieder etwas sicherer fühlen, denn die Zahl der Überfälle ist um 475 oder 9,4 Prozent zurückgegangen. Gesunken ist auch die Zahl der Wohnungseinbrüche um gut 1400 auf 11 940 (minus 10,5 Prozent) bei einer gestiegenen Aufklärungsquote, die nun bei 16,2 Prozent liegt. Das bedeutet, jeder sechste Wohnungseinbruch wird aufgeklärt. Auch der Diebstahl von Kraftfahrzeugen sank im vergangenen Jahr um 13,5 Prozent oder 1812 Delikte auf knapp 11 600 Diebstähle. 1999 wurden 24 184 Fahrräder entwendet, 1998 waren es noch 25 730.

Gestiegen ist die Zahl der Morde, und zwar um vier auf 71. Mit einer Aufklärungsquote von 93 Prozent blieben nur fünf Morde aus dem vergangenen Jahr - bisher - ungesühnt. Gestiegen ist die Zahl der Sexualdelikte an Kindern: 1061 Delikte, 24 mehr als im Vorjahr, wurden angezeigt und mit 46,2 Prozent wurde nicht einmal jede zweite Tat geklärt.

Gewerkschaftsvertreter weisen darauf hin, dass besonders starke Einbrüche bei den "Kontrolldelikten" wie Rauschgiftstraftaten, illegale Beschäftigung und Einreise sowie Umweltdelikten zu verzeichnen seien. Ursache seien weniger Kontrollen durch die Polizei, denn nach den Kurdenausschreitungen und dem Sturm auf das israelische Generalkonsulat im Februar 1999 wurden viele Beamte von ihren Aufgaben abgezogen, um gefährdete Institutionen wie Botschaften und Kultureinrichtungen zu bewachen. Zudem lägen im Landeskriminalamt "mehrere tausend Ermittlungsvorgänge auf Halde" und könnten nicht bearbeitet werden, weil das Personal fehle. Diese Vorgänge seien in der Jahresstatistik nicht erfasst.

Im Bereich der Wirtschaftskriminalität belaufe sich der Schaden 1999 auf 1,2 Milliarden Mark. Gemessen an den Vorjahren sei dies der absolute Höchststand. Und auch diese Summe sei unvollständig, denn die volkswirtschaftlichen Schäden, die durch Firmenzusammenbrüche und den dadurch verursachten Verlust von Arbeitsplätzen, Steuerausfällen und Leistungen der Sozialversicherungsträger entstehen, seien dabei nicht berücksichtigt. Im "Bereich der Wirtschaftskriminalität mit Bezug zur organisierten Kriminalität" sei 1999 ein Schaden von rund 110 Millionen Mark festgestellt worden.

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