Berlin : Mehr Platz!

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Von Andreas Conrad

Die Lage Berlins? „Hoffnungslos, aber nicht ernst.“ Der hiesige Kapitalismus? „Wie ein toter Hering im Mondenschein: Er glänzt, aber er stinkt!“ Es waren weise Worte, die Billy Wilder unserer kleinen Stadt vor über vier Jahrzehnten ins Stammbuch schrieb. Sie leuchten – „Eins, zwei, drei“ – unmittelbar ein, damals wie heute, und geben wieder einmal Anlass, über das deutschamerikanische Verhältnis nachzusinnen. Amerika, du hast es besser - so glaubte Goethe, und es mag in vielem stimmen, aber manchmal ist das Berliner Tempo dem amerikanischen einfach über. Fünf Jahre, keines weniger, so lautet hier die Regel über die Frist, die zwischen dem Tod eines Prominenten und der Benennung einer Straße ihm zu Ehren zu verstreichen hat. In Los Angeles geht das eins, zwei, drei – aber darf man mit dem Ergebnis zufrieden sein? Eine Kreuzung – das muss in L. A. reichen, hier reicht es hoffentlich nicht. Ja, endlich ist Gelegenheit, der Hegemonie Hollywoods die gebührende Antwort zu erteilen: Filme könnt ihr ja machen, aber in der historischen Nabelschau sind wir euch einfach über. Also: Der alte Platz vor dem Brandenburger Tor sollte es schon sein. Mittlerweile heißt er Platz des 18. März, aber den Platz der Märzrevolution gibt es auch noch, und muss hier wirklich noch immer alles doppelt sein?

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