Berlin : Mehr Radarfallen gegen Raser im Verkehr?

Jörn Hasselmann

Vor einer bitteren Wahrheit verschließen wir gerne die Augen: Autos können Menschen töten. Dies gilt vor allem, wenn sie rücksichtslos und mit Höchstgeschwindigkeit über die Straßen gejagt werden. Es war ein 20-Jähriger Führerscheinneuling mit einem PS-starken Wagen, der vor einigen Tagen mit hoher Geschwindigkeit über die Tauentzien- und Kleiststraße raste. Bis der Fahrer die Kontrolle verlor und zwei Fußgängerinnen erfasste. Die beiden Frauen flogen 20 Meter durch die Luft. Sie sind tot. Der Autofahrer blieb unverletzt. Rasen gehört zu den häufigsten Unfallursachen. Gerast wird trotzdem – weil immer weniger kontrolliert wird. 2003 sank die Zahl der Autos, die in den Blitzstrahl einer Geschwindigkeitskontrolle gerieten, um 13 Prozent. Denn der Polizei fehlt wegen vieler anderen Aufgaben das Personal dafür. Das Risiko auf der Rennstrecke Kudamm-Tauentzienstraße erwischt zu werden, war minimal. Der junge Mann wusste das, deshalb gab er Gas. Kontrollen schrecken ab, deswegen muss schärfer, überall und zu jeder Uhrzeit geblitzt werden. Vor allem an beliebten „Rennstrecken“ wie dem Kurfürstendamm, auf denen junge Männer ihren Wagen vorführen. Die Strafen für Tempoüberschreitung müssen deutlich angehoben werden. Ein Blick in den belgischen Bußgeldkatalog zeigt, was möglich ist – und was von der Bevölkerung akzeptiert wird. Auch höhere Strafen schrecken vom Durchtreten des Gaspedals ab – und sie finanzieren gleichzeitig die Einstellung neuer Polizisten.

Die Polizei kann nicht überall sein. Wenn ein durchgedrehter Autofahrer mit Bleifuß über den Ku’damm rasen will oder über die Straße des 17. Juni oder über die Heerstraße, dann ist er nicht zu stoppen. Wenn er geblitzt wird, dann war er ohnehin schon zu schnell. Da hilft es auch nicht, die Zahl der Blitzer-Kontrollen zu erhöhen. Allein im Mai dieses Jahres fuhren knapp 70000 Fahrzeuge irgendwo in der Stadt mit überhöhter Geschwindigkeit durch einen Radarstrahl. Die Polizei nahm im selben Monat 537 Rasern die Pappe ab. Dies kann man als zu wenig kritisieren, aber die Polizei will nicht Kohle machen, sie will vorbeugend tätig sein – Unfälle verhindern. Deshalb bittet die Polizei in Brandenburg inzwischen ja sogar Langsamfahrer zur Kasse. Um die Autofahrer zur Disziplin zu bekehren, sind andere Mittel notwendig als die Blitzer- und Bußgeld-Geißel. Es gibt zum Beispiel die Leuchttafel, die weithin sichtbar die Geschwindigkeit eines jeden vorbeifahrenden Autos anzeigt. Die meisten so „geouteten“ Schnellfahrer treten auf die Bremse, wenn plötzlich, unübersehbar für alle, ihre Geschwindigkeitsüberschreitung sichtbar wird. Eine andere Möglichkeiten ist schlicht und einfach, die Ampeln mit Messgeräten in der Fahrbahn zu koppeln. Für jeden, der zu schnell fährt, schaltet die nächste Ampel auf Rot und stoppt ihn. Erfahrungen in Spanien beispielsweise zeigen, dass die Verkehrsdisziplin damit deutlich steigt – denn schlimmer als zahlen ist für Autofahrer nur das Stehen. Werner Schmidt

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