Berlin : Mehr Service fürs jüdische Leben

GideonJoffe,neuerVorsitzender der JüdischenGemeinde,willOrientierungbieten

Claudia Keller

Er möchte die religiöse Identität der Berliner Juden stärken: Auf diesen Nenner bringt Gideon Joffe sein Programm, mit dem er die Nachfolge von Albert Meyer antritt. Der 33-Jährige wurde am Donnerstagabend vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde zum Vorsitzenden gewählt. Meyer, der die Gemeinde zwei Jahre geleitet hat, war am Mittwochabend zurückgetreten.

Joffe will Vorsitzender für alle Mitglieder der Gemeinde sein, „für die Alteingesessenen genauso wie für die Zugewanderten“. Durch seine Biografie sei er dazu geeignet, sagt Joffe. Seine Eltern sind von Lettland nach Israel und dann nach Deutschland ausgewandert. Joffe ist in Israel geboren und in Berlin aufgewachsen, wo er sich seit vielen Jahren in der Gemeinde engagiert, unter anderem als Vorsitzender des Studentenbundes. Er hat Betriebswirtschaft studiert und arbeitet im Hotelgewerbe.

„Er ist ein Kind der Gemeinde“, sagt Vorstandsmitglied Josef Eljaschewitsch, „wir sollten ihm eine Chance geben“. Joffe habe ja noch gar nicht gezeigt, was in ihm stecke. Joffe bedauert, dass nur ein Viertel der jüdischen Jugendlichen eines Jahrgang zur Bar Mizwa gingen. Auch dass sich bei der Wahl zum Gemeindeparlament 2003 nur 40 Prozent der Gemeindemitglieder beteiligt hätten, zeige, wie wenig sich mit der Gemeinde noch identifizierten. Das müsse sich ändern. Dazu will Joffe die Gemeindestrukturen so verändern, dass sie einen „optimalen Service von der Krippe bis zum Pflegeheim“ bieten. Auch müssten die Synagogen mehr zur Orientierung“ beitragen.

Die osteuropäischen und russischen Zuwanderer seien oft doppelt entwurzelt: von ihrer Heimat und ihrer Religion. Viele könnten nichts mit dem Judentum anfangen. Um diese zweifache Integration zu leisten, müsse man ihnen „mehr bieten als nur Holocaust-Solidarität“.

Eleonora Shakhnikova leitet das Integrationsbüro der Gemeinde und wünscht sich mehr Unterstützung für ihre konkrete Arbeit. Es bräuchte mehr Mitarbeiter, die helfen, die Zugewanderten in Sprach- und Integrationskursen zu unterrichten und Arbeit für sie zu finden.

Auch gestern wurden allerdings Stimmen laut, die vor einer Spaltung der Gemeinde nach dem Rücktritt von Albert Meyer warnten.

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