Berlin : Mehr Sicherheitsgefühl: Zehlendorfer Bürger wollen mehr Polizisten sehen

Otto Diederichs

Alles hätte so einfach sein können. Schriftlich hatten im März dieses Jahres zwei Zehlendorferinnen Landesschutzpolizeidirektor Gernot Piestert ihre Probleme mit der veränderten Polizeiarbeit in der Direktion 4 mitgeteilt. Rund achtzig Unterschriften trug das Schreiben.

In der Direktion wird seit einem Jahr nach dem so genannten Berliner Modell gearbeitet. Kleinere Delikte bearbeitet die Schutzpolizei jetzt gleich selbst, um damit die Kripo zu entlasten. Aus Sicht der Zehlendorfer Bürger hat das negative Auswirkungen. Sie vermissen die Kontaktbereichsbeamten, beklagen ein Ansteigen von Vandalismus und Kleinkriminalität und zu lange Wartezeiten bei den Funkstreifen.

Ihr Sicherheitsgefühl muss gelitten haben, denn an den Deliktzahlen lässt sich eine Verschlechterung nicht festmachen. Gleich geblieben ist die Zahl der Sachbeschädigungen, Einbrüche sind sogar um knapp 1500, Körperverletzungen in der Öffentlichkeit um etwa 100 Fälle zurückgegangen. Beim Straßenraub gibt es eine leichte Steigerung um rund 60 Fälle.

Ursprünglich wollten die Beschwerdeführer mit Piestert nur über ihre Nöte reden und um Abhilfe bitten. Der habe aber trotz telefonischer Rückfrage nie geantwortet, sagt Marion Kulick, die Sprecherin der "Interessengemeinschaft Zehlendorfer Bürger". Daher habe man sich nun an die Gewerkschaft der Polizei (GdP) gewandt. Seither verschärfen sich in dem hausgemachten Konflikt die Töne.

Für Innensenator Eckart Werthebach handelt es sich um "einige Nörgler, die sich gegen den Strom stellen". Landesschutzpolizeidirektor Piestert droht GdP-Personalräten der Direktion 4 mit strafrechtlichen Schritten, falls sie die Behauptung aufrecht erhalten, er habe sich zu dem Beschwerdebrief "bisher nicht geäussert". Er habe das Schreiben nie erhalten.

Die Interessengemeinschaft ist empört, sie will, dass ihre Ängste ernst genommen werden. Mit Unterstützung der GdP hat sie für nächste Woche in den Zehlendorfer Ratskeller eingeladen: Das Ziel: Die Gründung einer Initiative gegen das Berliner Modell. Die Fronten sind verhärtet. Dennoch zeigt sich Marion Kulick gesprächsbereit: "Wie das Kind heißt, ist uns egal, aber wir wollen wieder mehr Grün auf der Straße".

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar