Berlin : Mehr Sonnenkollektoren als Barcelona

Senat legt Landesenergieprogramm vor. Energiesparende Häuser und umweltfreundlicher Wasserstoffantrieb bei Bussen der BVG geplant

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Berlin will bis zum Jahr 2010 den Kohlendioxid-Ausstoß um 25 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 verringern. „Wir tragen Mitverantwortung für den Klimaschutz“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung des Landesenergieprogramms. Durch Energiesparen soll die CO2-Emission von 30 Millionen Tonnen im Jahr 1990 auf 22 Millionen Tonnen im Jahr 2010 gesenkt werden. Die globale Erderwärmung, den Klimawandel und die Folgen für alle Ökosysteme führen Wissenschaftler auf die Emissionen von Treibhausgasen zurück.

Berlin fange in Sachen Energiesparen nicht bei null an, sondern setze seit längerem schon auf Solarenergie, sagte Junge-Reyer. In der Stadt gebe es mit 47 000 Quadratmeter eine größere Solarkollektorfläche als in der spanischen Metropole Barcelona. Die größte Solarstromanlage besitzt im übrigen der neue Berliner Hauptbahnhof. Auf dem Dach seien 78 Solarzellen auf einer Fläche von 1870 Quadratmeter platziert, die jährlich rund 160 000 Kilowatt Strom lieferten. Das Land Berlin fördert außerdem zahlreiche energiesparende Maßnahmen wie zum Beispiel Niedrigenergiehäuser oder Energiesparpartnerschaften (siehe Kasten).

Auch die Emissionen durch den Straßenverkehr will Berlin kräftig reduzieren. „Wir wollen verstärkt wasserstoffbetriebene Fahrzeuge bei der BVG einsetzen“, sagte Junge-Reyer. Der Bund fördere die Wasserstofftechnik mit insgesamt rund 500 Millionen Euro.

Die BVG plant, auf schadstoffarme Busse mit Wasserstoffantrieb umzusteigen. Die nächste große Ausschreibung 2007 oder 2008 solle für Fahrzeuge mit herkömmlicher Diesel- und alternativ mit neuer Wasserstofftechnik ausgeschrieben werden, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Dabei könne es um bis zu 250 Fahrzeuge gehen.

Ob die BVG so umweltfreundlich wird, entscheiden allerdings die Kosten. Noch ist ein Bus mit Wasserstoffantrieb nach Angaben von Reetz rund 80 000 Euro teurer als ein Dieselfahrzeug. Steigt der Dieselpreis allerdings weiter, könnte die Rechnung zu Gunsten des Wasserstoffs aufgehen. 2002 gab die BVG für 100 Liter Diesel 68,41 Euro aus, in diesem Jahr waren es bisher 88,95. Bei einem Literpreis von mehr als 1,20 Euro könne der Wasserstoffantrieb konkurrenzfähig sein, so Reetz.

Während der WM hatte die BVG zwei Wasserstoffbusse erprobt, die jetzt in Spandau im Liniendienst eingesetzt werden. Zwölf weitere Busse sind bestellt. Die Mehrkosten übernimmt die ÈU innerhalb eines Forschungsprojekts.

Bei der jüngsten Busbestellung war die BVG auch vom Umweltministerium kritisiert worden, weil sie für die Dieselbusse nicht die modernste Technik beschafft hatte. sib/kt

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