Berlin : Mehr Staatsbesuche, Kongresse und Botschaften

Präsidenten und Könige kommen unerwartet häufig in die Stadt – und bald ziehen auch die letzten Diplomaten von Bonn nach Berlin

Elisabeth Binder

Die Queen ließ den November leuchten, Königin Beatrix kam bereits im März, der israelische Präsident Moshe Katzav im April. In einer einzigen Woche im Februar kamen fünf Staatsgäste, darunter Tony Blair und Jacques Chirac – die Zahl der Besuche von auswärtigen Staatsoberhäuptern und Außenministern hat in den letzten Jahren überraschend deutlich zugenommen. Der Protokollchef des Auswärtigen Amtes, Bernhard von der Planitz, sagte bei einem Gespräch im Auswärtigen Amt gestern, dass die Zunahme bei 20 bis 25 Prozent liege. Während das Protokoll des Auswärtigen Amtes im Jahr 2000 noch 161 Visiten organisierte, bei denen die Bundesrepublik Deutschland als Gastgeber auftrat, waren es im vergangenen Jahr bereits 200.

Gleichzeitig wird Berlin auch als Austragungsort für internationale Konferenzen, wie zum Beispiel die Afghanistan-Konferenz oder die Antisemitismus-Konferenz der OSZE im Frühjahr immer interessanter und beliebter. Jüngstes Beispiel ist die Konferenz der Finanzminister und Notenbankchefs der G20, die heute im Hotel Intercontinental beginnt. Unter den Gästen: US-Notenbankpräsident Alan Greenspan. Je häufiger sich Berlin als Veranstaltungsort bewährt, desto mehr Organisationen werden auf die Möglichkeiten der Stadt aufmerksam. Hinzu kommt die zentrale Lage und das Engagement der Bundesrepublik im multilateralen Bereich.

Auch die große Sogwirkung, die Berlin auf die Botschaften ausübt, entspricht dem Trend. Inzwischen sind 136 Botschaften umgezogen. Die 16 noch am Rhein verbliebenen planen offenbar, in den nächsten zwei Jahren ebenfalls umzuziehen. Und dies, obwohl Bonn Standort großer internationaler Organisationen ist. Insgesamt sind 183 Botschafter in Deutschland akkreditiert, allerdings gibt es 31 Doppelakkreditierungen.

Dass Berlin für die Diplomaten attraktiv ist, wird auf gesellschaftlichen Veranstaltungen oftmals deutlich. Immer wieder erzählen Botschafter, dass sie es seit dem Umzug wegen des Kulturangebots leichter haben, Künstler aus ihren Ländern einzuladen. Der schon bei den steigenden Touristenzahlen erkennbare, für die Stadt positive Trend setzt sich also bis in die Spitzen anderer Staaten fort.

Nicht alle Besuche erregen indes so viel Aufsehen wie kürzlich der Besuch der britischen Königin. Staatsbesuche haben das aufwändigste Protokoll, davon gibt es aber nur wenige im Jahr. Außer der Queen kamen die Oberhäupter Neuseelands, Paraguays und Österreichs. Häufiger sind offizielle Besuche, die im Straßenverkehr allerdings auch mit Kolonnen auffallen, wenngleich sie nur von sieben statt 15 Motorrädern eskortiert werden. Dann gibt es noch Arbeitsbesuche und Terminbesuche. Von Letzteren spricht man, wenn ein Staatsoberhaupt nicht auf Einladung der Bundesrepublik in der Stadt ist, sondern zu einem Termin kommt, also etwa um an der Konferenz einer Stiftung teilzunehmen. Dann ist das Protokoll nur dort zuständig, wo am Rande Gespräche zum Beispiel mit dem Bundespräsidenten stattfinden.

Protokoll sei heute eine harte Managementaufgabe, sagte von der Planitz. Wenn er mit Etikettefragen konfrontiert wird, verweist er unermüdlich freundlich, aber bestimmt auf den Tanzlehrerverband. Zuständig ist er hingegen auch für die Vorbereitung von Reisen, zum Beispiel den anstehenden Afrika-Besuch des Bundespräsidenten, der bei einer Vorausreise organisiert wird. Im Inland sind die 100 Mitarbeiter des Protokolls für die Betreuung von knapp 30 000 Menschen zuständig. Das sind nicht nur die Botschafter und Konsuln, sondern auch deren Mitarbeiter und Familien.

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