Mehr Suizide in Berliner Gefängnissen : Sieben Häftlinge nahmen sich 2014 das Leben

Die Zahl der Suizide in Berliner Gefängnissen hat im vergangenen Jahr rapide zugenommen. Sieben Männer nahmen sich in Haft das Leben. In den Jahren zuvor waren es nie mehr als zwei bis drei gewesen.

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Der sogenannte Haftschock (hier die JVA Tegel) ist oft der Grund, dass Häftlinge sich in der ersten Woche das Leben nehmen.
Der sogenannte Haftschock (hier die JVA Tegel) ist oft der Grund, dass Häftlinge sich in der ersten Woche das Leben nehmen.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die häufigste Todesart in Berliner Gefängnissen ist wieder der Suizid. Sieben Männer nahmen sich im Jahr 2014 das Leben, weit mehr als in den Vorjahren. Insgesamt starben im abgelaufenen Jahr zehn Gefangene. Diese Zahlen nennt die Justizverwaltung auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Dirk Behrendt.

Dass die Zahl der Suizide so stark zunahm, ist auffällig, eine Hypothese zur Erklärung nennt die Justiz in der bislang unveröffentlichten Antwort nicht. 2013 waren drei Männer durch eigene Hand gestorben, 2012 und 2011 jeweils nur zwei. Auch die Zahl der Suizidversuche stieg, und zwar von 19 auf 23. Parlamentarier Behrendt kümmert sich um das Thema, seit die Zahlen vor etwa zehn Jahren deutlich angestiegen waren – auf bis zu zehn Suizide im Jahr. „Die Justiz muss weiter daran arbeiten, die Suizidprävention zu verbessern und die Sensibilität aller mit den Gefangenen Arbeitenden hoch zu halten“, sagt Behrendt dem Tagesspiegel.

Eine Erklärung für die starken Schwankungen gibt es nicht. Es fällt aber auf, dass es in der Mitte 2013 eröffneten neuen Berliner Haftanstalt Heidering bislang keine Suizide gab.

Die meisten bringen sich in der ersten Haftwoche um

Auffällig ist auch, dass zwei Männer direkt nach Haftantritt in der JVA Plötzensee Suizid verübten, einer am gleichen Tag, einer nach zwei Tagen. Schon im Jahr 2001 hatte eine Arbeitsgruppe der Justizverwaltung herausgefunden, dass es die meisten Selbstmorde innerhalb der ersten Woche gibt, ausgelöst durch den sogenannten Haftschock. Die Justiz hatte anschließend mehrfach versichert, dass alle neuen Gefangenen von geschulten Sozialarbeitern befragt würden.

In den vergangenen Tagen sind zudem zwei ehemalige Tegeler Insassen gestorben, nach wenigen Jahren in Freiheit: Klaus A. war mit fast 78 Jahren der älteste Sicherungsverwahrte, Jürgen B. hatte 41 Jahre am Stück gesessen. Beide waren 2011 entlassen worden.

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