Berlin : Mehr Überfälle auf Taxis – auch von Frauen

Die Fahrer sind aufgeschreckt, spätestens seit ein Mädchenpaar zwei Kollegen mit Messer und Pistole bedroht hat

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Von Jörn Hasselmann

Die Zahl der Taxiüberfälle ist im Jahr 2001 drastisch gestiegen. Die Polizei zählte 62 Taten, im Jahr 2000 waren es nur 40 (1999: 36). Nach den beiden jüngsten brutalen Raubüberfällen durch zwei unbekannte Mädchen sind „die Kollegen schockiert und aufgeschreckt“, sagte Gerhard Uhlig vom Arbeitskreis Taxisicherheit. Eine heiße Spur zu den beiden jungen Frauen, die jeweils die Geldbörse des Fahrers raubten, hat die Polizei noch nicht. Die beiden Opfer, ein 41-Jähriger und ein 53-Jähriger, schilderten die Täterinnen als südländisch aussehend, etwa im Alter von 17 bis 18 Jahren. Eine sprach mit vermutlich türkischem Akzent, trug eine weiße Capri-Hose und einen kurzärmeligen rosa Pullover. Sie hat glatte, schulterlange Haare, die sie offen trug. Die andere hatte nach hinten zusammengebundene Haare. Sie waren mit ungewöhnlicher Brutalität vorgegangen: Den Männern wurde eine Schusswaffe an den Kopf gehalten, das zweite Mädchen hielt ihnen ein Messer an den Hals. Die Täterinnen erbeuteten eine Geldbörse

„Ein sehr untypischer Fall für Mädchen“, sagte Christine Burck vom Landeskriminalamt dem Tagesspiegel. Gewaltdelikte seien eine Jungendomäne, sagte die Hauptkommissarin. Nur sieben Prozent der Gewalttaten würden von Mädchen verübt – und wenn, seien die Opfer meist gleichaltrige Mädchen, nicht ältere Männer. Lediglich bei Ladendiebstählen seien beide Geschlechter gleich stark vertreten, sagte Burck, insgesamt sind unter den straffälligen Jugendlichen nur 25 Prozent Mädchen.

Am Sonntag hatten beide Taten in Steglitz ihren Ausgang genommen, einmal stieg das Duo am frühen Morgen im Ortsteil Lankwitz ein, beim zweiten Überfall am Abend dann in Lichterfelde. In beiden Fällen hatten die Mädchen das Ziel während der Fahrt mehrfach gewechselt. Für Taxifahrer ist das seit langem ein Alarmsignal. „Dann ist etwas faul“, sagte Gerhard Uhlig vom Arbeitskreis Taxisicherheit. Denn in sehr vielen Überfällen änderten die späteren Täter aus Unsicherheit und um den Fahrer zu verwirren, Route und Ziel. Schöpft ein Fahrer Verdacht, empfehlen Experten das Einschalten des „Stillen Alarms“ – das ist ein rotes Blinklicht im gelben Dachschild, das Autofahrer aufmerksam machen soll – und die Alarmierung der Zentrale über ein Codewort.

Auch Uhlig sagte, dass Frauen nur sehr selten Taxis überfallen. „Man achtet mehr darauf, wenn zwei, drei männliche Jugendliche einsteigen.“ Im Oktober 2000 hatten zwei betrunkene Frauen einen Taxifahrer am Gesundbrunnen überfallen. Die damals 22 und 25 Jahre alten Täterinnen wurden zu jeweils zwei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, als strafverschärfend hatte das Gericht es gewertet, dass sie mit dem Messer nicht nur gedroht, sondern es gebraucht hatten. Die Angeklagten hatten ausgesagt, dass sie von dem Kinofilm „Thelma & Louise“ inspiriert worden seien.

Trotz der in der Regel sehr hoher Strafen bei Überfällen – fünf Jahre sind keine Seltenheit – ist die erbeutete Summe häufig sehr gering. „Für einen Drogensüchtigen, der Geld braucht, sind auch 20 Euro viel Geld“, sagte Uhlig. Die von den Verbänden angebotenen Sicherheitskurse würden zu selten angenommen, bedauerte Uhlig. Und leider würden die Kollegen auch nicht jeden Überfall bei der Polizei anzeigen: „Die Dunkelziffer ist hoch.“

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