Berlin : Mehr Züge und Flüge gen Osten Was die EU-Erweiterung Berlin gebracht hat

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Ein Jahr nach der Osterweiterung der EU am 1. Mai 2004 leben mehr Bürger aus den zehn Beitrittsländern in Berlin. Schon im ersten halben Jahr nach dem Beitrittstermin nahm ihre Zahl bis Dezember 2004 auf gut 44 000 zu, das ist ein Zehntel mehr als im Juni 2003. Den Großteil machen die 36 000 Polen aus.

Der durch die Erweiterung von einigen befürchtete große Ansturm auf den Berliner Arbeitsmarkt ist indes ausgeblieben. Lediglich bei den selbstständigen Handwerkern oder etwa Schlachtern aus Polen gab es einen Zuwachs. Die Hoffnung, durch einen Handelsaufschwung auch mehr Arbeitsplätze in Berlin zu gewinnen, hat sich nicht erfüllt. Der Handel zwischen Berlin und den Beitrittsländern nahm vom ersten zum zweiten Halbjahr 2004 deutlich ab. Der Export Berliner Waren fiel von 430 auf 375 Millionen Euro. Gleichzeitig legte der gesamtdeutsche Export in die Beitrittsländer neun Prozent zu.

„Es ist noch das alte Problem, dass Berlin im Vergleich zu den alten Bundesländern hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt“, sagt Volker Löwe, in der Senatskanzlei für Europapolitik zuständig. Der Senat will jetzt zunehmend kleine Unternehmen beraten, die in Osteuropa investieren möchten.

Der Senat verspricht sich zudem neue Kontakte von Abkommen mit den Grenzregionen. So werden im Juni Lehrer aus der Wojwodschaft Großpolen (rund um Posen) zu einer Konferenz in Berlin erwartet. Gemeinsam mit Brandenburg und der Wojwodschaft Westpolen will sich der Senat für einen schnelleren Ausbau der Straßen und Schienen zwischen Berlin und Stettin einsetzen.

Die tägliche Intercity-Zugverbindung auf dieser Strecke gehört neben Billigflugstrecken beispielsweise nach Riga oder Ljubljana zu den neuen Verbindungen nach Osteuropa, die es in Berlin seit der EU-Erweiterung gibt. Warschau und Prag waren schon vorher mehrmals täglich per Zug zu erreichen. Einen Passagieransturm verbuchte die Bahn jedoch nur im Nahverkehr in den Grenzregionen.

Die EU-Erweiterung hat Berlins Kulturleben bereichert. Bei den 60 Veranstaltungen des „Kulturjahrs der Zehn“ zählten die Veranstalter bisher 270 000 Gäste. Künstler und andere Kreative aus allen Beitrittsländern kamen zum Dialog nach Berlin. „Das Ergebnis ist vor allem eine Erweiterung des im Westen bekannten Europa“, sagte Initiatorin Zsuzsa Breier von der ungarischen Botschaft. Diesen Erfolg wolle sie fortsetzen und „aus Berlin für die Kultur in Europa das machen, was Davos für die Wirtschaft ist“. ak

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