Berlin : Mehr Zukunft für die Hauptschule: Unter einem Dach mit Realschulen

ANNETTE KÖGEL

BERLIN .Gute Nachrichten für die Hauptschulen: Senatorin Ingrid Stahmer (SPD) hat jetzt grünes Licht für einen Modellversuch erteilt, der Haupt- und Realschulen unter einem Dach ermöglicht.Wie dem Tagesspiegel bekannt wurde, können die Heinrich-von-Stephan-Oberschule in Tiergarten und die Riesengebirgs-Oberschule in Schöneberg im nächsten Schuljahr mit dem Schulversuch beginnen.Das neue Modell soll Hauptschülern bessere Bildungschancen eröffnen und das Image der "Restschule" aufpolieren.Damit folgt Berlin dem Hamburger Modell - dort wird der gemischte Unterricht seit Jahren mit Erfolg praktiziert.

In Berlin gibt es derzeit 127 Gymnasien mit 80 750 Schülern und 80 Realschulen mit knapp 30 000 Schülern.Die Zahl der Hauptschulen sank zuletzt ständig, derzeit sind es noch 60 mit 15 300 Schülern - gerade einmal acht Prozent der gesamten Schülerschaft.Bislang gibt es acht Schulen, zumeist Realschulen, mit einzelnen Hauptschul-Zügen.Die völlig durchmischten Schulen sind indes neu für Berlin.Die Modellschulen mit Haupt- und Realschülern haben Vorteile für beide Seiten, meinen die Befürworter.

Zu ihnen gehört auch die schulpolitische Sprecherin der Bündnisgrünen im Abgeordnetenhaus, Sybille Volkholz.Sie hatte bereits mehrere Kleine Anfragen zum Hamburger Modell als Vorbild für Berlin gestellt.Während die Hauptschüler in Hamburg jedoch an ihrer jeweiligen Grundschule verbleiben, werden in Berlin die Oberschulen ab der 7.Klasse neu zusammengestellt.Für den neuen Versuch müssen sich pro Klasse mindestens ein Drittel Schüler mit Realschulempfehlung bewerben.Jugendliche, die diese Einschätzung mit Ach und Krach bekamen, werden es leichter haben, sagt Hans-Joachim Stolle, Direktor der Riesengebirgs-Hauptschule.Eine Probezeit gebe es nicht: "Die Schüler ersparen sich Frust."

Stolle zeigte sich indes ob der Entscheidung überrascht.Man habe früher mit einer Reaktion gerechnet, die Zeit für die Organisation schmelze dahin.Schulleiter Jens Großpietsch von der Heinrich-von-Stephan-Schule meinte, daß das Modell neue Chancen eröffne, denn "die Schulkarriere verläuft bei den meisten Schülern nicht gradlinig".

Wenn in einer Klasse Schüler nach Haupt- und Realschulrahmenplan unterrichtet werden, bedeute dies eine individuellere Betreuung.Zwei Schüler sitzen dann etwa nebeneinander, schreiben aber unterschiedliche Klassenarbeiten.Auf dem Zeugnis werden die Zensuren mit dem Zusatz "H" oder "R" versehen (eine "H"-Eins ist eine "R"-Drei).Die Realschüler profitierten vom Arbeitslehre-Unterricht.

"Durch den Schulversuch werden den Schülern neue Leistungsanreize gegeben.Dadurch wollen wir versuchen, Hauptschülern bessere Chancen zu eröffnen", sagte die Pädagogische Referentin der Schulsenatorin, Angelika Knubbertz.Das Modell läuft seit 1991/92 in Hamburg mit Erfolg, dort wurde der Schulversuch von anfangs zwei Schulen auf nunmehr 16 Schulen ausgeweitet."Die innovative Arbeit hat bei Eltern und Schülern durchgehend Akzeptanz.Schulaufsichtsbeamte, Schulleitungen und Lehrkräfte haben einhellig positiv bilanziert, daß die angestrebte Leistungsentwicklung sowohl bei Hauptschülern als auch bei Realschülern erreicht werden konnte", bilanzierte Berlins Schulsenatorin.

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