Berlin : Mehrheit im Parlament will helfen Nur die FDP lehnt

eine Finanzspritze ab

Das Abgeordnetenhaus will dem Friedrichstadtpalast, der vor der Pleite steht, finanziell über die Runden helfen. Nicht nur die Regierungsfraktionen SPD und Linke, sondern auch CDU und Grüne sind bereit, einem Gesellschafterdarlehen von 3,5 Millionen Euro zuzustimmen. Nur der kulturpolitische Sprecher der FDP, Christoph Meyer, lehnte die Rettungsaktion gestern ab. „Die Politik muss darüber diskutieren, ob ein Tanztheater mit der Ausrichtung des Friedrichstadtpalastes noch zeitgemäß ist.“

Das landeseigene Revuetheater in der Friedrichstraße steht, wie berichtet, vor der Überschuldung. Das Haus wird derzeit saniert und das Programm komplett umgestellt. Der neue Intendant Berndt Schmidt will die Finanzprobleme bis 2010 in den Griff bekommen. Das Darlehen aus dem Landeshaushalt wird nach Genehmigung durch das Parlament schrittweise ausgezahlt und muss ab 2011 innerhalb von zehn Jahren getilgt werden – mit Zinsen von 4,5 Prozent.

Der CDU-Kulturexperte Michael Braun hätte es lieber gesehen, wenn der Friedrichstadtpalast die 3,5 Millionen Euro nicht zurückzahlen müsste. In jedem Fall sei die künstlerische und wirtschaftliche Sanierung des „einzigartigen und europaweit wichtigsten Revuetheaters“ unverzichtbar. Das sieht auch die Vorsitzende des Kulturausschusses Alice Ströver (Grüne) so. Es wäre kurzsichtig und unverantwortlich, dem Theater diese Chance zu verweigern, erklärte sie gestern. Der Friedrichstadtpalast sei eine der größten Touristenattraktionen und ein herausragender Standortfaktor für die Kulturhauptstadt Berlin.

Ströver kritisierte, dass der Vorschlag der Grünen nie aufgegriffen worden sei, dem Theater Wirtschaftsförderung zu gewähren. In den neunziger Jahren hatte der Senat sogar überlegt, eine Spielbank oder ein Hotel im Friedrichstadtpalast unterzubringen und auf diese Weise die Finanzierung des großen Hauses dauerhaft sicherzustellen. Die Pläne zerschlugen sich. Das Land zahlt noch einen Jahreszuschuss von 6,1 Millionen Euro. za

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar