Berlin : Meile mit Weile

Hamburg plant zur EM längst das große Fanfest Berlin zögert – was Organisatoren ärgert

André Görke

Mitten im Herbst bricht der Sommer aus. Seite einer Woche sind die Fußballer für die Europameisterschaft 2008 qualifiziert, schon haben in Deutschland die konkreten Planungen begonnen: Städte wie Köln und München wollen wie schon zur WM 2006 Fanfeste mit Leinwänden organisieren; in Hamburg läuft gar seit zehn Wochen die Ausschreibung für die EM-Party in der Innenstadt – in Berlin dagegen zögert der Senat. Oder wie es der WM-Fanmeilen-Ausrichter Willy Kausch formuliert: „Berlin lässt sich viel zu viel Zeit.“ Andere Städte seien längst weiter, schimpft er. „Das ist ärgerlich!“

Noch sind es 229 Tage bis zum Auftaktspiel am 7. Juni 2008 in Basel; das Finale der Fußball-EM in der Schweiz und Österreich wird am 29. Juni in Wien stattfinden. Das sind drei Wochen, in denen viele Fans so friedlich-fröhlich feiern wollen wie zur WM – am liebsten wieder im Tiergarten, auf der Straße des 17. Juni.

„Natürlich würde die EM-Meile nicht die Dimension haben wie die der WM“, sagt Kausch. Dennoch rechnet er mit mehr als 100 000 Leuten täglich, „ und bei deutschen Spielen mit einer halben Million Fans“. Die Meile könnte kürzer sein als zur WM und stattdessen dem Ziehharmonikaprinzip folgen: Bei wichtigen Spielen würde sie sich erstrecken vom Brandenburger Tor bis zum Kleinen Stern; bei Spielen kleinerer Mannschaften könnte die Fläche zwischen Brandenburger Tor und der Yitzhak-Rabin-Straße ausreichen. Dazwischen fand im Mai 2007 auch das Fanfest zum Pokalfinale statt.

Die Zeit eilt aus finanziellen Gründen: Anders als zur WM ist der Senat nicht Veranstalter, auch wird die Europäische Fußball-Union Uefa das Fest im Nachbarland Deutschland wohl nicht teilfinanzieren. Diesmal müsste die Party privat auf die Beine gestellt werden. „Vor drei, vier Monaten haben wir unser Interesse bekundet – bisher ohne offizielle Reaktion“, sagt Kausch. „Die EM-Sponsoren haben noch Gelder in ihren Werbeetats – aber die werden sie nicht ewig für uns zurückhalten.“

Der Senat hatte in der WM-Euphorie erste Überlegungen für ein EM-Fest angestellt. Seither ist es ruhig geworden. „Noch gibt es keine Entscheidung, ob es zur EM eine Fanmeile geben wird auf der Straße des 17. Juni“, sagt Senatssprecher Günter Kolodziej. „Es muss aber noch in diesem Jahr eine Entscheidung fallen, und das wird sie auch.“

Wer es nett meint mit dem Senat, wird es so formulieren: Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bleibt sich treu. Er hatte vor der WM monatelang Sponsoren und Fifa verärgert, weil er das Fanfest lieber im Spreebogenpark veranstalten wollte – um dann im Dezember 2005 doch noch der Fanmeile auf der Straße des 17. Juni zuzustimmen.

Es gibt einige Bedenken gegen die EM-Meile im Sommer ’08: Es werden keine Fans aus aller Welt in die Stadt reisen; außerdem finden nur zwei statt drei Spiele pro Tag statt – um 18 Uhr und 20.45 Uhr. Das bedeutet, dass die Party anders als zur WM erst am Nachmittag beginnen würde und nicht schon in den Mittagsstunden. Autofahrer könnten beim Anblick einer leeren, aber gesperrten Straße irritiert sein.

Der Senat diskutiert deshalb hinter den Kulissen. In den kommenden Wochen steht angeblich ein Spitzengespräch mit den Verkehrsexperten an – ein wichtiger Entscheider wird dabei fehlen: Der WM-Meilen-Chef des Senats. Michael Donnermeyer ist seit 1. Oktober Lobbyist für die Stromwirtschaft. André Görke

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