Berlin : „Mein Haus ist praktisch wertlos“

Was Anwohner der Berliner Flughäfen sagen

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Rund um den künftigen Großflughafen war die Stimmung gestern gedrückt. Für einen Plausch mit der Postbotin hatten die Blankenfelder keine Zeit. „Die sind alle reingegangen, um sich das Urteil anzuhören.“ Als sie wieder rauskamen, waren viele Blankenfelder entsetzt. „Mein Haus ist praktisch wertlos geworden“, sagt Klaus Hubert, der seit 1982 in Blankenfelde wohnt, mitten in der Einflugschneise von Schönefeld. 250 000 Euro könne er abschreiben. Auch seinem Nachbarn, Enrico Philipp, ist nach dem Urteil „flau im Magen“. Er hatte zwar damit gerechnet, aber „man wollte es einfach nicht wahrhaben“.

Die Frau vom Bäckerstand kennt mindestens drei Familien, die wegziehen wollen. Eine Kundin will bleiben: „Wird schon laut werden, aber mit der Zeit gewöhnt man sich dran.“ Ein älteres Ehepaar läuft vorbei – der Mann freut sich: „Ich finde das Urteil gut. Die Flugzeuge werden doch immer leiser. Wir empfinden das nicht als Belastung.“ Seine Frau ergänzt: „Wir sind vorbelastet – früher haben wir bei der Interflug gearbeitet.“

An anderer Stelle wurde die Entscheidung für den Ausbau des Flughafens Schönefeld mit Erleichterung aufgenommen – dort nämlich, wo die Auswirkungen des Flughafens Tegel spürbar sind, dessen Schließung nun als sicher gilt. Gerd Emme, Rentner, ging nach dem Urteil in der Parkstraße in Pankow spazieren: „Ich wohne am Pankower Rathaus“, sagte er. „Ich finde generell einen Flughafen in der Stadt kriminell. Früher klirrten in der Schrankwand die Gläser, wenn ein Flieger vorbeikam. Für uns Pankower ist das Urteil gut.“ Christa Stramm, wohnt an der Ossietzkystraße am Schlosspark: „Wir sind über das Urteil sehr froh. In Spitzenzeiten kommen die Flugzeuge hier alle zwei bis drei Minuten.“ Auch ihr Nachbar Ulrich Dettmann freut sich: „Super, dass das Gericht so entschieden hat. Hier sind viel mehr Anwohner betroffen, als in Schönefeld.“ khd/loy

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