Berlin : Mein kleines Stück Kulturforum

Ein Großteil Berlins gehört nicht Berlin, sondern Privatleuten oder dem Bund

Lars von Törne

Im Schöneberger Rathaus kommen Berliner Immobilien unter den Hammer, das Land kämpft mit dem Bund um Grundstücke aus dem ehemaligen Reichsvermögen – Berliner Boden ist ein begehrtes Gut. Aber nicht überall, wo Berlin draufsteht, ist auch Berlin drin. So gehört das Berliner Land gar nicht dem Land Berlin. Zumindest nicht mehrheitlich.

Gerade mal 40 000 Hektar Berliner Bodens sind tatsächlich im Landesbesitz, wie Irina Dähne vom Liegenschaftsfonds des Landes sagt. Insgesamt misst Berlin jedoch mehr als das Doppelte, nämlich knapp 90 000 Hektar. Die Mehrheit des Berliner Bodens gehört einer bunten Mischung aus privaten Besitzern, dem Bund und Unternehmen wie der Bahn. Darunter befinden sich auch etliche Landmarken, von denen manch ein Berliner annahm, sie seien im Besitz seiner Stadt.

Das höchste Stück Berlin zum Beispiel, der Fernsehturm am Alexanderplatz, gehört der Telekom. Die Besuchermagneten Potsdamer Platz und Sony-Center gehören Daimler-Chrysler und Sony, der Mauerrest ihnen gegenüber gehört einem Privatmann, der Boden darunter dem Bund. Und das Kulturforum am Potsdamer Platz, die Freifläche zwischen Philharmonie und Nationalgalerie, gehört teilweise dem Hamburger Kaufmann Eugen Block, Chef der nach sich selbst benannten Restaurantkette Block-House. Am Kulturforum will er seit Jahren schon ein Elysée-Hotel wie in Hamburg bauen, sagt sein Sprecher Cord Schnellenberg. Mangels Platz und konkreter Pläne blieb das bislang aber nur ein Wunschtraum.

Auch die Annahme, typische Berliner Gewässer wie Spree und Müggelsee wären in Berliner Hand, ist weit gefehlt: Die gehören dem Bund. Das wird vom Land auch nicht angezweifelt – anders als bei 730 Hektar Land, auf denen sich die Flughäfen Tegel und Tempelhof befinden. Dieses ehemalige Reichsvermögen hätte Berlin gerne zurück.

Wer sich ein Stück Berlin zulegen will, hat beim Liegenschaftsfonds die große Auswahl. 1345 Hektar Berlin werden hier treuhänderisch verwaltet und möglichen Käufern angepriesen. Im Angebot sind unter anderem der Müggelturm oder zwei Krankenhäuser in Buch, ebenso eine repräsentative Villa am Kudamm, ein altes Inspektorenwohnhaus in Hohenschönhausen oder ein ehemaliges Schulgebäude in Friedrichshain (www.liegenschaftsfonds-berlin.de).

Der Berliner Wald schlechthin, der Grunewald, gehört übrigens auch nur zum Teil dem Land. Große Stücke des Waldes befinden sich im Besitz der Bahn. Die gehört eh zu den ganz großen Berlin-Eigentümern. 4,5 Millionen Quadratmeter besitzt das Unternehmen nach eigenen Angaben. Dazu zählen neben allen Bahnhöfen auch Gleise und Bürogebäude. Weitere 3,5 Millionen Quadratmeter Berlin gehören dem vom Bund gegründeten Unternehmen Vivico, das ungenutzte Bahngrundstücke verwaltet, zum Beispiel 42 Hektar am Gleisdreieck. Der allergrößte Grundbesitzer sind allerdings weder diese Unternehmen noch das Land: „Das sind die Banken“, sagt Alexander Behrendt vom Ring Deutscher Makler, „weil ein Großteil der Grundeigentümer pleite ist“.

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