Berlin : Mein Silberling

Andreas Conrad

Haste ma ’ne Mark? Nee, jetzt auch nicht mehr. Und das kam so: Zum Bezahlen taugte der historische Silberling nicht mehr, zum Einkaufen war er allemal gut – als Chip in einem Einkaufswagen. Auch diesmal hatte er seine Aufgabe treu erfüllt und die Kette des Aldi-Wagens gelöst, in dem jetzt bereits erste Waren lagerten, Apfelsaft, Schokolade, Würstchen – all solche Sachen. Nun stand er unbewacht in einem Winkel des Supermarkts, während aus anderen Ecken weitere Dinge herbeigeschafft wurden – wer sollte schon daraus unbezahlte Waren entwenden? Das tat auch niemand, das Sortiment schien immer so, wie man es zurückgelassen hatte. Allmählich füllte sich der Warenkorb, gemächlich ging es zur Kasse, nichts Ungewöhnliches erregte Argwohn – bis der nun geleerte Wagen wieder angekettet wurde. Denn aus dem Schlitz sprang keineswegs die vertraute Mark, sondern der Billig-Chip irgendeiner Apotheke, ein Reklamemittel, Wert 0 Cent. Kein Zweifel, der Wagen war ausgetauscht und umgeladen, die Mark gemopst worden. Ein Fall von Wendekriminalität, über 16 Jahre nach dem Mauerfall.

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