Berlin : Mein Zug fährt ein

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Markus Hesselmann über

den Mythos Bahnhof Zoo

Der Bahn ist es einerlei. „Wir befinden uns in der Anfahrt auf Berlin Zoologischer Garten.“ Die Durchsage klingt so lieblos, als wäre SolingenOhligs, München-Pasing oder Kassel-Wilhelmshöhe unser Ziel. Dabei fahren wir zurück nach Berlin. Und da haben wir unseren eigenen Soundtrack im Kopf: „Bahnhof Zoo, mein Zug fährt ein. Ich steig aus, gut wieder dazusein.“ Die Berlin- Hymne der Band Ideal läuft immer mit. Gerade fliegen wir über den Stuttgarter Platz, dann – leicht gebremst – am Savignyplatz vorbei. Schließlich geht’s scharf nach links. Der Blick wird frei auf den Hardenbergplatz. Schön ist das Panorama nicht. Aber so sind wir angekommen in Berlin, immer wieder, über Jahre. Und sind nur selten und für möglichst kurze Zeit wieder weggefahren.

Bahnhof Zoo. Für junge Noch-nicht-Berliner aus der Provinz klang das nach Abenteuer und lauter Musik. Nach Christiane F. und David Bowie. Nach Ideal und den anderen genialen Dilettanten der Achtzigerjahre. Nach Berlin klang das, der Stadt, in die wir keine Klassenfahrt machen durften, weil es da so gefährlich war: Mauer, Hausbesetzer, überall Bomben im Boden. Das ist vorbei, genauso, wie es mit dem Mythos Bahnhof Zoo bald vorbei sein wird. Ein neuer Soundtrack muss her. Das wird kompliziert. Denn bald hören wir: „Wir befinden uns in der Anfahrt auf Berlin Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof.“

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